Patientenberichte
Eine Begegnung mit Laura
Langsam, aber zielstrebig robbt Laura sich über den Küchentisch und greift mutig nach einem Stift. Mit ihren kleinen Fingern hält sie ihn fest umschlungen. Ein Lächeln huscht über ihr Gesicht. Lauras Mama strahlt: „Gezielt nach einem Gegenstand greifen - das konnte sie vor der Operation überhaupt nicht.“ Vor zehn Wochen wurde der Einjährigen eine Augenhornhaut transplantiert, erste Erfolge sind bereits heute sichtbar. Konturen von Gegenständen und Bewegungen kann das kleine Mädchen nun erkennen. Auch die Lichtempfindlichkeit nimmt langsam ab. Am Nachmittag kann Laura bereits normales Tageslicht ertragen und mit ihrer Familie nach draußen gehen. weiter
Auf neuen Wegen
Jeder Mensch hat einen Traum. Sabinas Traum ist es, durch die Luft zu fliegen. Heute hier, morgen dort - das hat sich die junge Frau immer gewünscht. Den Realabschluss hatte Sabina gerade in der Tasche, als sie sich bei einer Fluggesellschaft als Stewardess bewirbt. Doch ihre Augenkrankheit wird ihr zum Hindernis. Mit 15 Jahren hatte Sabina eine Herpes-Infektion am Auge. Zuerst hat das Auge nur getränt und war stets rot. Doch nach und nach ließ die Sehkraft nach. Irgendwann konnte die junge Frau nur noch Umrisse erkennen. weiter
Wie eine kleine Befreiung
Prof. Dr. Götz Herberg mag
sprachliche Bilder. Vor allem, wenn er damit etwas verdeutlichen kann, was
sonst meist als „verschwommen“ oder
„schemenhaft“ beschrieben wird: die nachlassende Sehkraft seiner Augen zum Beispiel,
weil die Hornhaut nicht mehr durchlässig ist. „Ich habe wie durch eine
schmutzige Windschutzscheibe geschaut“, vergleicht der 71-Jährige heute die Situation vor der Transplantation. weiter
Eine Begegnung mit Laura
Langsam, aber zielstrebig robbt Laura sich über den Küchentisch und greift mutig nach einem Stift. Mit ihren kleinen Fingern hält sie ihn fest umschlungen. Ein Lächeln huscht über ihr Gesicht. Lauras Mama strahlt: „Gezielt nach einem Gegenstand greifen - das konnte sie vor der Operation überhaupt nicht.“ Vor zehn Wochen wurde der Einjährigen eine Augenhornhaut transplantiert, erste Erfolge sind bereits heute sichtbar. Konturen von Gegenständen und Bewegungen kann das kleine Mädchen nun erkennen. Auch die Lichtempfindlichkeit nimmt langsam ab. Am Nachmittag kann Laura bereits normales Tageslicht ertragen und mit ihrer Familie nach draußen gehen.
Kurz nach der Geburt stellten die Ärzte bei Laura eine
starke Hornhauttrübung beider Augen fest. „Die Augen waren ganz trüb“, erinnert
sich Lauras Mutter heute. „Man konnte keine Abgrenzung der Pupille erkennen.“
Zunächst vermuten die Ärzte eine Stoffwechselerkrankung bei dem Neugeborenen.
Doch als Ursache stellt sich später ein Virusinfekt in oder unmittelbar nach
der Schwangerschaft heraus. Ein halbes Jahr lang wird das Baby untersucht, ohne
sichtbare Erfolge. „Die Ärzte waren ratlos und haben uns nach Hause geschickt.
Man könne heute nichts machen, vielleicht sei eine Transplantation mit 14, 15
Jahren möglich“, erzählt die Mutter.
Doch Lauras Eltern geben sich nicht mit der ungenauen Diagnose zufrieden, informieren sich weiter und wechseln die Klinik. In der Sulzbacher Augenklinik der Bundesknappschaft empfiehlt Prof. Ulrich Mester den verzweifelten Eltern die Transplantation beider Hornhäute, da der Sehnerv des Kindes intakt ist. Zunächst wird der Augenkanal (Schlemmscher Kanal) erweitert, um den Augendruck zu senken. Anschließend wird die Transplantation geplant. Aufgrund ihres Alters musste für Laura ein Transplantat eines jungen Spenders gefunden werden. „Wir dachten, das dauert Monate, bis ein Transplantat zur Verfügung steht.“ Doch vier Wochen später, kurz vor Weihnachten, der erfreuliche Anruf aus der Klinik: „Wir haben eine passende Hornhaut für Laura“. „Alles ging genau nach Plan, das war ganz toll“, sagt Lauras Mama.
Die erste Hornhaut wird im Alter von neun Monaten verpflanzt. Zügig verbessert sich nun der Zustand der Kleinen. Sie beginnt zu krabbeln, greift erstmals nach Gegenständen, nimmt ihre Umwelt wahr. Laura hat viel aufzuholen. Die zweite Transplantation des rechten Auges erfolgt wenig später. „Seitdem geht es Laura täglich besser. Sie krabbelt kräftig und lernt gerade laufen, eine altersgerechte Entwicklung eben“, freut sich der Papa. Nachuntersuchungen und Fäden ziehen muss Laura zwar in den kommenden zwölf Monaten noch über sich ergehen lassen, doch die Eltern sind sich sicher, die Transplantationen haben sich gelohnt.
Dass Laura so schnell durch eine Transplantation geholfen werden konnte, ist der guten Zusammenarbeit zwischen der Augenklinik in Sulzbach und der DGFG-Hornhautbank Euregio Cornea Bank in Würselen zu verdanken. In der Bank wurden die Transplantate aufbereitet und für die Transplantation vorbereitet. Nur ein einwandfreies Transplantat hat eine lange Lebensdauer und so für den Empfänger den größten Nutzen.
Dank der großzügigen Geste eines unbekannten Spenders können Laura und ihre Familie heute ein fast normales Familienleben führen. Über den Spender wissen die Eltern nichts, da diese Daten anonym gehalten werden, um den Empfänger des Transplantats und die Angehörigen des Spenders zu schützen. Darüber sind Lauras Eltern froh. „Man macht schon viele Gedanken und fragt sich, was ist da wohl passiert?“ Was bleibt, ist tiefe Dankbarkeit und die Hoffnung auf eine gesunde Zukunft. nach oben
Auf neuen Wegen
Jeder Mensch hat einen Traum. Sabinas Traum ist es, durch die Luft zu fliegen. Heute hier, morgen dort - das hat sich die junge Frau immer gewünscht. Den Realabschluss hatte Sabina gerade in der Tasche, als sie sich bei einer Fluggesellschaft als Stewardess bewirbt. Doch ihre Augenkrankheit wird ihr zum Hindernis. Mit 15 Jahren hatte Sabina eine Herpes-Infektion am Auge. Zuerst hat das Auge nur getränt und war stets rot. Doch nach und nach ließ die Sehkraft nach. Irgendwann konnte die junge Frau nur noch Umrisse erkennen.
Bei ihrem Vorstellungsgespräch bei der Fluggesellschaft legt sie ein ärztliches Attest vor, dass ihre Sehbehinderung
beschreibt. Das ist das Aus für ihren Traum. „Wir hätten sie gern genommen, hat
die Fluglinie damals gesagt. Ich konnte die Absage nachvollziehen. Eine gute Sehkraft ist beim Fliegen einfach
wichtig“, sagt Sabina. Sie macht stattdessen eine Ausbildung zur
Fremdsprachen-Korrespondentin. Ihre Augen-Krankheit beeinträchtigt sie dabei
nicht. Doch der Zustand des Auges verschlechtert sich zunehmend. Man empfiehlt
der jungen Frau einer Hornhaut-Transplantation. Sabina lehnt ab. „Ich fühlte
mich in der Klinik schlecht aufgehoben“, begründet sie ihre Entscheidung.
Mit 18 wird Sabina in die Aachener Klinik überwiesen und von Prof. Claudia Redbrake betreut. Die Leiterin der Euregio Cornea Bank in Würselen erläutert dem Mädchen alle Vor- und Nachteile einer Hornhaut-Transplantation, erklärt Nebenwirkungen und Operationsverlauf. Die Patientin fühlt sich in Aachen gut aufgehoben und traut sich – einige Jahre später – eine Transplantation zu. „Ich war nervös, aber ich hatte keine Angst. Ich wusste ja, was mich erwartet“, sagt Sabina.
Nach der Operation muss Sabina zwei Tage lang einen Verband tragen. Dann die Überraschung: Sie kann wieder richtig sehen! „Ich sah plötzlich Dinge, die ich vorher gar nicht mehr wahrgenommen habe“. Bereits wenige Tage nach der Transplantation verbessert sich ihre Sehleistung schlagartig. Ein Jahr später hat sie rund 70 Prozent der ursprünglichen Sehleistung zurück gewonnen. „Meine Familie und ich können es kaum glauben, dass ich nach so vielen Jahren wieder gesund bin“, sagt Sabina. Die Kosten der Behandlung hat ihre Krankenkasse bezahlt.
Über 5.000 Patienten warten heute in Deutschland dringend auf ein Hornhauttransplantat. „Ich hatte großes Glück und bin dem Spender sehr dankbar, dass ich heute wieder sehen kann“, sagt Sabina. Heute tragen Sabina und ihre Familie einen Organspendeausweis bei sich, um vielleicht anderen Menschen in Zukunft helfen zu können.
Sabinas rehbraunen Augen blinzeln in der kräftigen Frühlingssonne. Bis die Lichtempfindlichkeit zurückgeht, wird es noch einige Zeit dauern. Doch in die Zukunft kann Sabina schon heute zuversichtlich gucken. Wenn sie demnächst ihr Fachabitur besteht, dann möchte sie sich erneut bei einer Fluglinie bewerben und sich ihren Traum vom Fliegen erfüllen. Diesmal mit voller Sehkraft. nach oben
Wie eine kleine Befreiung
Prof. Dr. Götz Herberg mag sprachliche Bilder. Vor allem, wenn er damit etwas verdeutlichen kann, was sonst meist als „verschwommen“ oder „schemenhaft“ beschrieben wird: die nachlassende Sehkraft seiner Augen zum Beispiel, weil die Hornhaut nicht mehr durchlässig ist. „Ich habe wie durch eine schmutzige Windschutzscheibe geschaut“, vergleicht der 71-Jährige heute die Situation vor der Transplantation.
Das Bild trifft die Situation gut.
Denn besonders beim Autofahren hatte Herberg vor seiner Operation zunehmend
Probleme: „Vor allem im Herbst und im Winter konnte ich die Verkehrsschilder
nicht mehr genau erkennen.“ Schwierigkeiten hatte Herberg damit auch bei seinen
Vorlesungen. „Auch Zahlen wurden auf meiner Netzhaut immer unschäfer
abgebildet.“, erinnert sich der Wissenschaftler, der eine Professur im
Fachbereich Luftfahrt an der Technischen Hochschule Wildau (bei Berlin) hat.
„Das ist natürlich auf meinem Gebiet problematisch, weil es um viel Technik und
Logistik geht.“
Im Jahre 2000 und 2001 hatte sich Herberg bereits unters Messer gelegt. Die Diagnose damals lautete: grauer Star auf beiden Augen. „Aber nach der Operation stellte sich bei mir nicht dieses Aha-Erlebnis ein, wie bei den meisten anderen Patienten“, erinnert sich der Potsdamer, der im Rheinland aufgewachsen ist. „Auf der Suche nach einem neuen Augenspezialisten bin ich dann irgendwann zu Frau Prof. Engelmann nach Chemnitz gekommen.“
Für die Expertin war schnell klar, dass hier nur eine Transplantation helfen kann. Nachdem in der Hornhautbank ein passendes Transplantat gefunden wurde, lies sich Herberg im April 2009 an seinem rechten Auge eine neue Hornhaut verpflanzen. „Ich habe mich für meine schlechte Seite entschieden“, erzählt er rückblickend. „Links hatte ich noch 40 Prozent Sehkraft, aber rechts hatte ich nur noch 20.“ Und er fügt augenzwinkernd hinzu: „Da war das Risiko für mich nicht so groß.“
Der agile Mann, der von sich selbst sagt, dass er oft sehr ungeduldig ist, musste drei Wochen warten, bis die Schutzklappe entfernt wurde. „Dann war ich erst einmal erleichtert“, erinnert er sich. „Denn ich hab sofort gemerkt, dass ich mit dem operierten Auge immerhin genauso gut sehen konnte wie vor der Operation. Und da wusste ich, dass die neue Hornhaut richtig sitzt.“
Schmerzen habe er nur ein wenig am Anfang gehabt, so Herberg, der wieder einen Vergleich parat hat: „Ein Gefühl wie ein Muskelkater“, beschreibt er. Und der Faden, mit dem die neue Hornhaut angenäht wurde, habe manchmal etwas gejuckt, „wie ein kleines Sandkorn.“ Auch dass das Transplantat am Anfang noch eine kleine Falte hatte, war für Herberg gewöhnungsbedürftig. „Ich habe dadurch oft zwei Bilder und einen leichten grauen Streifen gesehen.“
Eine Frage der Zeit: Mittlerweile sind alle Nebenwirkungen verschwunden, die Falte hat sich geglättet, der Faden wurde entfernt, und der Patient freut sich rechts über eine Sehkraft von 55 bis 60 Prozent – je nach Tagesform. „Das ist eine ganz neue Lebensqualität“, schwärmt der Hochschulprofessor, der mit Zahlen, Buchstaben und Schildern nun keine Schwierigkeiten mehr hat. Vor allem für seine Arbeit empfindet Herberg diese Veränderung wie eine kleine Befreiung: „Nun kann ich mich wieder voll auf die Inhalte konzentrieren und muss mich nicht mit unscharfen Bildern aufhalten.“
Und auch in der Freizeit profitiert Herberg, der gern auf dem Golfplatz seine Treffsicherheit beweist, von seiner Entscheidung: „Vor der Operation habe ich den Golfball nicht mehr auf dem Grün sehen können, wenn er weiter als 80 Meter geflogen ist. Heute kann ich ihn auf eine Entfernung bis zu 110 Meter ausmachen.“
Doch das soll noch nicht alles sein: Herberg plant, sich im Herbst auch sein linkes Auge operieren zu lassen. Er erhofft sich damit, eine noch höhere Lebensqualität. Und seine Golfpartner? Die sprechen schon scherzhaft von unerlaubten Mitteln…
Dreh- und Angelpunkt in Sachen Hornhautverpflanzung ist die Deutsche Gesellschaft für Gewebetransplantation (DGFG). Die unabhängige Organisation koordiniert und unterstützt seit 1997 die Gewebespende und -transplantation in Deutschland. Sie stellt ein Netzwerk zahlreicher deutscher Kliniken und medizinischer Einrichtungen dar, die im Bereich der Gewebespende, Aufbereitung und Vermittlung von Gewebetransplantaten tätig sind. Es ist das größte Netzwerk seiner Art auf dem Gebiet der Gewebespende. In 2010 hat die DGFG rund 1.500 Hornhauttransplantate an Patienten vermittelt.

