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Die Transplantation eines Gesichts ist nach wie vor ein experimentelles Verfahren: Ein neunzehnjähriger junger Mann bekommt nach schweren Verbrennungen ein neues Gesicht transplantiert. Die Transplantation verändert sein ganzes Leben. Viele rechtliche und ethische Details müssen geklärt werden. Einen Video-Bericht finden Sie hier.

Infoveranstaltung zur Hornhauttransplantation in Chemnitz

Zurück ins Licht – durch die Spende einer Augenhornhaut“: Unter diesem Titel hatte die Klinik für Augenheilkunde des Klinikums Chemnitz sowie die Deutsche Gesellschaft für Gewebetransplantation am 30. Juni 2010 eingeladen. Die Veranstaltung fand im Rahmen der Vortragsreihe „Мedizin im Spannungsfeld zwischen Wissenschaft und Gesellschaft“ der Technischen Universität Chemnitz statt.

Das Interesse war groß: Trotz sommerlicher Temperaturen von mehr als 30 Grad kamen knapp 80 Besucher, die den Ausführungen der Referenten aufmerksam folgten. Hitzeschlapp machte zwischendurch nur der Beamer. Doch wer wie Professor Dr. Katrin Engelmann in der Lage ist, mit feinsten Stichen eine Augenhornhaut anzunähen, lässt sich durch einen kleinen technischen Zwischenfall nicht aus dem Konzept bringen. Die Chefärztin der Klinik für Augenheilkunde wechselte kurzerhand mit ihren Folien auf einen Overheadprojektor, und setzte ihre Ausführungen fort. Die Expertin sprach über die Funktion des Auges, beschrieb die Krankheiten, die mit einer Hornhautverpflanzung geheilt werden können, und erklärte den Ablauf einer Transplantation von der Diagnose bis zur Operation. „Wenn die Spender-Hornhaut gut einheilt, ist das Transplantat später kaum noch zu erkennen“, weiß  Professor Dr. Katrin Engelmann aus langjähriger Erfahrung.

Pressegespräch zur Veranstaltung in ChemnitzDamit eine Hornhaut-Transplantation überhaupt vorgenommen werden kann, benötigen die Ärzte entsprechendes Spendegewebe. „Die Verpflanzung von Augenhornhäuten ist die häufigste und auch die erfolgreichste Transplantation in der gesamten Medizin. Rund 6.000 Mal pro Jahr wird in Deutschland eine erkrankte Hornhaut durch eine gespendete ersetzt“, erläutert Martin Börgel, Geschäftsführer der Deutschen Gesellschaft für Gewebetransplantation (DGFG) in Hannover. Die DGFG stellt den transplantierenden Kliniken deutschlandweit Spendehornhäute zur Verfügung. Börgel sprach in diesem Zusammenhang über die gesetzlichen Grundlagen der Gewebespende, über die Würde des Verstorbenen sowie über die Prozessierung und Qualitätsprüfung in den Hornhautbanken.

Im Bild: Im Pressegespräch zum Thema Hornhauttransplantation informierten Prof. Katrin Engelmann, Christiane Reis, Prof. Götz Herberg und Martin Börgel

Durch eine gute Zusammenarbeit und eine effektive Organisation konnte zum Beispiel im Klinikum Chemnitz innerhalb der vergangenen drei Jahre die Wartezeit der Patienten von zwölf auf drei Monate verkürzt werden. Christiane Reis, Spende-Koordinatorin in Chemnitz, belegt die positive Entwicklung mit Zahlen: „2009 hatten wir  im Klinikum 105 Hornhautspenden; von Januar bis Juni 2010 sind es bereits 72.“  Und auch die Zahl der Transplantation werde sich in diesem Jahr weiter erhöhen, so die Koordinatorin: „Im vergangenen Jahr gab es 35, in der ersten Hälfe diesen Jahres sind es schon 21.“

patient_herberg_web.jpgEin Beleg für eine erfolgreiche Behandlung lieferte der Patient Prof. Dr. Götz Herberg aus Potsdam, der ebenfalls zur Veranstaltung gekommen war. „Die Bewässerung meiner Hornhaut hat nicht mehr funktioniert“, beschreibt er den Zustand seiner Augen, als er sich 2008 bei Prof. Engelmann in der Klinik vorgestellt hat. „Umrisse konnte ich schon noch sehen, aber Gesichter nicht mehr.“ Eine Entwicklung, die den Patienten stark in seinem Arbeits- und Alltagsleben eingeschränkt hat. Deshalb entschloss sich  Herberg, sein rechtes Auge operieren zu lassen. Mit Erfolg: Mittlerweile hat sich die Sehkraft auf dieser Seite von 20 auf 55 bis 60 Prozent  – je nach Tagesform – erhöht. Nun will sich Herberg auch mit dem linken Auge unters Messer legen.

Im Bild: Prof. Götz Herberg, Patient am Klinikum Chemnitz, ist begeistert über seine zurückgewonnene Sehkraft nach der Hornhauttransplantation