Infoveranstaltung zur Hornhauttransplantation in Chemnitz
„Zurück ins Licht – durch die Spende einer Augenhornhaut“: Unter diesem Titel hatte die Klinik für Augenheilkunde des Klinikums Chemnitz sowie die Deutsche Gesellschaft für Gewebetransplantation am 30. Juni 2010 eingeladen. Die Veranstaltung fand im Rahmen der Vortragsreihe „Мedizin im Spannungsfeld zwischen Wissenschaft und Gesellschaft“ der Technischen Universität Chemnitz statt.
Das Interesse war groß: Trotz sommerlicher Temperaturen von
mehr als 30 Grad kamen knapp 80 Besucher, die den Ausführungen der Referenten
aufmerksam folgten. Hitzeschlapp machte zwischendurch nur der Beamer. Doch wer
wie Professor Dr. Katrin Engelmann in der Lage ist, mit feinsten Stichen eine
Augenhornhaut anzunähen, lässt sich durch einen kleinen technischen
Zwischenfall nicht aus dem Konzept bringen. Die Chefärztin der Klinik für
Augenheilkunde wechselte kurzerhand mit ihren Folien auf einen
Overheadprojektor, und setzte ihre Ausführungen fort. Die Expertin sprach über
die Funktion des Auges, beschrieb die Krankheiten, die mit einer
Hornhautverpflanzung geheilt werden können, und erklärte den Ablauf einer
Transplantation von der Diagnose bis zur Operation. „Wenn die Spender-Hornhaut
gut einheilt, ist das Transplantat später kaum noch zu erkennen“, weiß Professor Dr. Katrin Engelmann aus
langjähriger Erfahrung.
Damit eine Hornhaut-Transplantation überhaupt vorgenommen
werden kann, benötigen die Ärzte entsprechendes Spendegewebe. „Die Verpflanzung
von Augenhornhäuten ist die häufigste und auch die erfolgreichste
Transplantation in der gesamten Medizin. Rund 6.000 Mal pro Jahr wird in Deutschland
eine erkrankte Hornhaut durch eine gespendete ersetzt“, erläutert Martin
Börgel, Geschäftsführer der Deutschen Gesellschaft für Gewebetransplantation
(DGFG) in Hannover. Die DGFG stellt den transplantierenden Kliniken
deutschlandweit Spendehornhäute zur Verfügung. Börgel sprach in diesem
Zusammenhang über die gesetzlichen Grundlagen der Gewebespende, über die Würde
des Verstorbenen sowie über die Prozessierung und Qualitätsprüfung in den
Hornhautbanken.
Im Bild: Im Pressegespräch zum Thema Hornhauttransplantation informierten Prof. Katrin Engelmann, Christiane Reis, Prof. Götz Herberg und Martin Börgel
Durch eine gute Zusammenarbeit und eine effektive Organisation konnte zum Beispiel im Klinikum Chemnitz innerhalb der vergangenen drei Jahre die Wartezeit der Patienten von zwölf auf drei Monate verkürzt werden. Christiane Reis, Spende-Koordinatorin in Chemnitz, belegt die positive Entwicklung mit Zahlen: „2009 hatten wir im Klinikum 105 Hornhautspenden; von Januar bis Juni 2010 sind es bereits 72.“ Und auch die Zahl der Transplantation werde sich in diesem Jahr weiter erhöhen, so die Koordinatorin: „Im vergangenen Jahr gab es 35, in der ersten Hälfe diesen Jahres sind es schon 21.“
Ein Beleg für eine erfolgreiche Behandlung lieferte der
Patient Prof. Dr. Götz Herberg aus Potsdam, der ebenfalls zur Veranstaltung
gekommen war. „Die Bewässerung meiner Hornhaut hat nicht mehr funktioniert“,
beschreibt er den Zustand seiner Augen, als er sich 2008 bei Prof. Engelmann in
der Klinik vorgestellt hat. „Umrisse konnte ich schon noch sehen, aber
Gesichter nicht mehr.“ Eine Entwicklung, die den Patienten stark in seinem
Arbeits- und Alltagsleben eingeschränkt hat. Deshalb entschloss sich Herberg, sein rechtes Auge operieren zu
lassen. Mit Erfolg: Mittlerweile hat sich die Sehkraft auf dieser Seite von 20
auf 55 bis 60 Prozent – je nach Tagesform
– erhöht. Nun will sich Herberg auch mit dem linken Auge unters Messer legen.
Im Bild: Prof. Götz Herberg, Patient am Klinikum Chemnitz, ist begeistert über seine zurückgewonnene Sehkraft nach der Hornhauttransplantation

