Inselzellspende und Inseltransplantation

In den meisten europäischen Ländern ist die Inseltransplantation ein wichtiges Therapieverfahren. Die Inselzelltransplantation bedeutet Hoffnung für Patienten, die durch Diabetes mellitus Typ 1 unter lebensbedrohlichen Hypoglykämien leiden. Bei gesunden Menschen produzieren Betazellen in den Langerhans-Inseln des Pankreas das Hormon Insulin und geben es in den Blutkreislauf ab. Ist die Funktion der insulinproduzierenden Betazellen gestört, drohen zum Teil lebensbedrohliche Entgleisungen des Blutzuckerspiegels, vor allem Unterzuckerungen. Für eine spezielle Gruppe von Patienten mit Diabetes mellitus Typ 1 ist daher die Inselzelltransplantation ein sehr erfolgreiches Therapieverfahren. Die Transplantation der Inselzellen erlaubt die zuverlässige Wiederherstellung einer Glukose-regulierten endogenen Insulinsekretion. Neben der Pankreas-Organtransplantation ist daher die Inselzelltransplantation die einzig klinisch verfügbare Betazell-Ersatztherapie.

Dr. ´Barbara Ludwig koordiniert das einzige Inselzellprogramm in Deutschland an der Uniklinik Dresden.

PD Dr. med. Barbara Ludwig, Inselzentrum Dresden

Wenn wir eine bestmögliche Nutzung der vorhandenen Spenderorgane erreichen wollen, sind wir auf die Meldung von potentiellen Spendern für Inseltransplantation dringend angewiesen. Einfach unter 0800-511 500 anrufen.

 

Die Indikation für eine Inseltransplantation besteht bei Patienten mit Diabetes mellitus Typ 1 mit einer hochlabilen Stoffwechsellage und häufigen schweren Hypoglykämien. Die regulatorische Situation Deutschland ist äußerst komplex. Daher ist die Inselzelltransplantation hierzulande in den bisherigen Strukturen nicht realisierbar. In den Jahren 2015 und 2016 ist die Inselzelltransplantation praktisch zum Erliegen gekommen. Davor waren es etwa zehn Transplantationen pro Jahr.

Die Gewebespende der Bauchspeicheldrüse ist Voraussetzung für die Inselzellspende und Inseltransplantation.

Ablaufschema Inselzellspende bis Inselzelltransplantation.

 

DGFG und Inseltransplantationszentrum Dresden arbeiten zusammen

Die DGFG und das Inseltransplantationszentrum Dresden möchten die Situation zum Nutzen der Patienten deutlich verbessern. Sie arbeiten ab 2017 bei der Inselzellspende eng zusammen. Die Kooperation soll Patienten mit Diabetes mellitus Typ 1 die klinisch verfügbaren Optionen der Betazell-Ersatztherapie (Pankreas- und Inseltransplantation) auch in Deutschland wieder anbieten können. Die Zusammenarbeit ermöglicht eine effiziente Nutzung des ohnehin knappen Spenderpools aus der stagnierenden Organspende. Das Inseltransplantationszentrum Dresden ist derzeit die einzige Einrichtung in Deutschland, die Inseltransplantationen durchführen kann.

Entscheidend für die Realisierung der Inselzellspende und -transplantation sind folgende Aspekte:

  • Information der Beteiligten über die medizinischen Hintergründe der Inseltransplantation und die regulatorische/juristische Einordnung der Pankreasinseln als Gewebe
  • Einzügige Aufklärung der Angehörigen über Organ- und Gewebespende; ggf. separate Zustimmung für Verwendung von Pankreasinseln bei nicht transplantablem Pankreasorgan
  • Frühzeitige Benachrichtigung der DGFG durch das Spenderkrankenhaus oder die Entnahmechirurgen
  • 24-Stunden Ansprechpartner im Bereich DGFG und Inselzentrum
Inselzellen sind Gewebe

Im Sinne des Transplantationsgesetzes (TPG § 1a) handelt es sich beim Pankreas um ein vermittlungspflichtiges Organ. Hier gilt der Grundsatz Organ- vor Gewebespende (TPG § 9). Kann das Pankreas nicht als solides Organ transplantiert werden, findet zur Gewinnung und Transplantation der Inselzellen eine Umwidmung zum Gewebe statt. Für die Spende der Inselzellen bedarf es der Einwilligung in die Gewebespende!

Akzeptanzkriterien Inselzellspende

  • Spenderalter: 16 bis 60
  • Body-Maß-Index: < 40
  • Kalte Ischämiezeit: < 20 Stunden

Ablauf Insezellspende

Ablauf einer Inselzellspende angefangen von der Spendermeldung über die Gewebeentnahme bis hin zur Inseltransplantation

Inseltransplantationszentrum Dresden

Am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden existiert seit 2008 ein aktives Inseltransplantationsprogramm. Damit komplettiert es das Spektrum der klinisch verfügbaren Therapieoptionen des Diabetes mellitus Typ 1 von konventioneller Insulintherapie, Insulinpumpentherapie, neuer Diabetestechnologien und DiaPort-Behandlung bis hin zur Pankreas-Organtransplantation. Das Inseltransplantationsprogramm unter der Leitung der Medizinischen Klinik III verfügt über eine Herstellungserlaubnis für die Prozessierung humaner Pankreasinseln nach § 13 AMG. Es liegt eine Gewebeentnahmeerlaubnis für Pankreasgewebe nach § 20b AMG vor. Es gibt eine enge Zusammenarbeit mit der Klinik für Viszeral-, Thorax- und Gefäßchirurgie. Neben der Vorbereitung und Evaluation für eine Inseltransplantation und deren Durchführung gewährleistet eine spezielle Inseltransplantationsambulanz die intensive und professionelle Nachbetreuung der Patienten.

Infoblatt Inselspende

Ablauf Inselzellspende