Empfängerdatenbank
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Ausgewählter Ort 2011
Patientenforum am Universitätsklinikum Leipzig
„Zurück ins Licht durch die Spende einer Augenhornhaut" - zu einer Informationsveranstaltung mit diesem Thema hatte die DGFG anlässlich der „Woche des Sehens“ zusammen mit der Augenklinik am Universitätsklinikum Leipzig eingeladen. Welche Folgen kann eine schlimme Verätzung der Augenhornhaut oder eine Herpesinfektion am Auge haben? Wie wird eine Transplantation einer menschlichen Spender-Hornhaut durchgeführt? Und wer kommt überhaupt als Gewebespender in Frage? Rund 40 Patienten und Interessierte kamen am 13. Oktober 2010 in die Leipziger Augenklinik, um auf diese und weitere Fragen Antworten von Experten zu erhalten.
Mit bis zu 6.000 durchgeführten Operationen in Deutschland im Jahr ist die Hornhauttransplantation die häufigste und auch die erfolgreichste Transplantation in der Medizin. Die Ärzte an der Augenklinik des Universitätsklinikums Leipzig, zu denen auch Dr. Andrei Nestler gehört, führen im Jahr rund 50 Mal diese Operation durch, die in Fachkreisen auch Keratoplastik genannt wird. „Die Notwendigkeit für eine Hornhauttransplantation ist alternsunabhängig und kann viele Ursachen haben“, so Dr. Nestler. „Bei jungen Leuten kann das Krankheitsbild Keratokonus, also ein fortschreitender Stabilitätsverlust der Augenhornhaut, eine Indikation sein.“ Bei älteren Menschen, erklärt Nestler, ist häufig eine Fuchs‘sche Hornhautdystrophie eine Ursache. Sie ist durch eine Quellung der Kornea und der damit verbundenen starken Eintrübung der Hornhaut charakterisiert. Auch bei Patienten mit Hornhautverletzungen bedingt durch Berufsunfälle oder sehr starke Entzündungen und Infektionen sieht Dr. Nestler die Transplantation häufig als letzte Therapieoption. Der Augenarzt informierte die interessierten Besuchern ausführlich über alle Schritte der Augenhornhauttransplantation von der Diagnose bis zur umfassenden Nachsorge. Er zeigte anschaulich anhand von Bildmaterial die typische Trübung einer erkrankten Hornhaut und die deutlich klarere Hornhaut von Patienten nach der erfolgreichen Transplantation.
Katleen Noack weiß genau, wovon Dr. Nestler spricht: Sie war selbst Patientin bei ihm und hat vor zwei Jahren ein Augenhornhauttransplantat erhalten. Die junge Frau ist froh, wieder richtig sehen zu können. „Meine Sehkraft ließ sukzessive nach. Nicht mal meine eigenen Freunde habe ich auf der Straße erkannt“, beschreibt Katleen Noack den Zustand während ihrer fortgeschrittenen Keratokonuserkrankung, der ihr einen normalen Alltag mit Autofahren und anderen alltäglichen Dingen unmöglich machte. Rund eine Stunde dauerte der Eingriff bei ihr. „Bereits nach dem Aufwachen konnte ich die Nummer des Krankenzimmers erkennen“, sagt Frau Noack, die heute wieder ein ganz normales Leben führt.
Im Bild: Patientin Katleen Noack zusammen mit ihrem behandelnden Arzt, Dr. Andrei Nestler vom Universitätsklinikum Leipzig
Um den vielen betroffenen Patienten in Deutschland mit geeigneten Transplantaten helfen zu können, werden entsprechend viele humane Augenhornhäute benötigt. Sie stammen aus der postmortalen Gewebespende. Martin Börgel, Geschäftsführer der DGFG, erläuterte den Besuchern auf der Veranstaltung die Voraussetzungen und Abläufe in der Gewebespende. Hornhauttransplantate stammen immer von Spendergewebe, das von menschlichen Verstorbenen gewonnen wird. Dieser Vorgang unterliegt in Deutschland klaren gesetzlichen Bestimmungen und geschieht ausschließlich nach einer ausdrücklichen Einwilligung der Angehörigen von Verstorbenen.
„Nehmen Sie Ihren Angehörigen diese schwere Entscheidung ab, indem Sie noch zu Lebzeiten Ihre Einstellung zum Thema Gewebespende im engen Familienkreis ansprechen“, rät Martin Börgel zum Umgang mit diesem sensiblen Thema.
Obwohl es deutlich mehr potenzielle Gewebespender als Organspender gibt und im Vergleich zur Organspende eine Lagerung der Gewebe über einen gewissen Zeitraum möglich ist, werden zurzeit noch weniger Gewebe gespendet als Transplantate für Patienten benötigt werden. „Zwar kann in einigen Bundesländern der Bedarf an Transplantaten schon fast gedeckt werden, doch damit können wir uns nicht zufrieden geben, weil die individuellen Heilungschancen steigen, je mehr transplantierbare typisierte Augenhornhäute vorrätig sind“, erklärt Martin Börgel den Bedarf.
Diana Wille und Dr. Andrea Thäder-Voigt sind Koordinatorinnen in der Gewebespende in den Regionen Sachsen und Sachsen-Anhalt. Nicht nur am Universitätsklinikum in Leipzig, sondern in der gesamten Region Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen hat sich das Engagement der jungen Frauen in der Gewebespende in den letzten Jahren deutlich gezeigt: Durch die engagierte Vor Ort-Unterstützung des klinikeigenen Personals in allen Prozessen der Gewebespende konnten kontinuierlich mehr Gewebespenden durchgeführt werden. „Wir sehen, dass in der Region die Anzahl der realisierten Gewebespenden deutlich gesteigert werden konnte. Dies verdanken wir auch der guten Zusammenarbeit mit den kooperierenden Kliniken“, so Frau Wille, die weiß, wie viel Aufwand und Sorgfalt in den einzelnen Abläufen steckt.
„Den Dank für die Arbeit, die wir leisten, erfahren wir durch das Wissen, dass so vielen erkrankten Patienten geholfen werden kann, aber auch von den Angehörigen der Spender. Viele empfinden Trost in dem Gedanken, dass durch die Entscheidung für eine Gewebespende anderen Menschen geholfen wird“, erzählt die erfahrene Koordinatorin.
Auch nach dem offiziellen Programm konnten noch viele Fragen der Besucher beantwortet werden.

