Patientenforum Greifswald: Wie funktioniert die Hornhauttransplantation?

Am 10. Oktober 2016 ging es in Greifswald um die Hornhautspende und Hornhauttransplantation. Die Augenklinik der Universitätsmedizin Greifswald sowie die DGFG haben anlässlich der bundesweiten „Woche des Sehens“ zum Patientenforum „Zurück ins Licht – durch die Spende einer Augenhornhaut“ eingeladen. Die Hornhauttransplantation, das Übertragen dieser klaren dünnen Scheibe des Auges, fasziniert seit über einhundert jahren die Menschen. Und es klingt tatsächlich wie ein kleines Wunder, wenn Ärzte mit der Augenhornhaut eines verstorbenen Spenders das Augenlicht eines anderen Menschen retten. Über 6.000 Mal pro Jahr transplantieren Ärzte allein in Deutschland eine Augenhornhaut. Um Menschen aus Mecklenburg-Vorpommern über die Möglichkeiten und Voraussetzungen der Hornhauttransplantation (Keratoplastik) aufzuklären, haben die Augenklinik Greifswald und die DGFG zum Patientenforum Greifswald in der Augenklinik eingeladen. Die ersten Gäste kamen schon eine Stunde vor Veranstaltungsbeginn, um sich die besten Plätze zu sichern.

DGFG gemeinsam mit den Kliniken in MV

Prof. Stefan Clemens klärt auf dem Patientenforum Greifswald über die Hornhauttransplantation auf.

Prof. Stefan Clemens klärt über die Hornhauttransplantation auf.

Die Hornhautbank Greifswald blickt auf eine lange Tradition zurück: Sie wurde Anfang 1993 in MV gegründet und war damit die erste Augenhornhautbank in den neuen Bundesländern. Die Hornhautbank Greifswald ist Teil der Klinik und Poliklinik für Augenheilkunde in der Universitätsmedizin Greifswald. Die Bank wurde gegründet, um primär die eigenen Patienten der Uniklinik Greifswald zu versorgen. „Inzwischen transplantieren Ärzte aus ganz Deutschland Hornhäute aus Greifswald“, sagt Dr. Frank Polster, Regionalleiter der DGFG. Seit 2007 hat die Hornhautbank Greifswald einen Kooperationsvertrag mit der DGFG. Beide Einrichtungen arbeiten seitdem eng zusammen. „Das hat sich als eine sehr fruchtbare Zusammenarbeit herausgestellt“, sagt Prof. Clemens. Inzwischen stehen in MV weit mehr Hornhäute zur Verfügung als Ärzte im Gesundheitsland im Norden im Rahmen einer Hornhauttransplantation verpflanzen, erfahren die Gäste auf dem Patientenforum Greifswald. Alle gespendeten Hornhäute werden über das Netzwerk der DGFG an transplantierende Krankenhäuser und Ärzte vermittelt. Die Prozessierung, die Aufbereitung der Gewebespenden, übernimmt dabei die Hornhautbank Greifswald. Prof. Stefan Clemens ist seit dem 1. Oktober 1994 ärztlicher Leiter. Verantwortliche Person ist seit 2001 Dr. Dorothea Hübner, Stationsärztin in der Augenklinik Greifswald.

Greifswalder Ärzte führen seit über 20 Jahren Hornhauttransplantationen durch

„Die Übertragung der Augenhornhaut ist in der Augenklinik Greifswald ein etabliertes Verfahren“, sagt Prof. Clemens. „Leider gibt es Augenerkrankungen, bei denen nur eine Transplantation das Augenlicht retten kann.“ An der Universitätsaugenklinik Greifswald führen Ärzte schon seit über 20 Jahren erfolgreich Hornhauttransplantationen durch. In den vergangenen Jahren kamen auch in Mecklenburg-Vorpommern Techniken bei der Hornhauttransplantation zum Einsatz, bei denen Ärzte nur eine dünne Schicht der Hornhaut ersetzen müssen, z.B. DMEK.

„Hinter jeder Transplantation steht ein Mensch, der selbstlos nach seinem Tod, Gewebe gespendet hat“, macht Dr. Polster deutlich. Ärzte transplantieren Hornhäute, im Gegensatz zu Organen, nicht sofort. Gewebebanken, wie die Hornhautbank Greifswald, bereiten diese für die Verpflanzung vor. Dort lagern sie bis zu 28 Tagen. Ähnlich wie bei Organen besteht auch bei Hornhäuten, die zu den Geweben zählen, ein großer Spendenbedarf. Die Hornhautspende in MV wird seit vielen Jahren von der Deutschen Gesellschaft für Gewebetransplantation organisiert.

Im Anschluss an das Patientenforum Greifswald: Prof. Clemens kontrolliert die Hornhauttransplantation von Sebastian Busch an der Spaltlampe.

Prof. Clemens kontrolliert die Hornhauttransplantation von Sebastian Busch an der Spaltlampe.

Besonderer Gast auf dem Patientenforum Greifswald war Sebastian Busch. Im Juli 2015 war es bei ihm soweit, dass er in Greifswald eine neue Augenhornhaut bekam. „Ich konnte mich zum Teil nur tastend vorwärts bewegen“, sagt der 29-jährige gebürtige Sachse. Inzwischen kann er wieder klar sehen und auch seiner Arbeit als Ingenieur in einem mecklenburgischen Betrieb nachgehen. Nach den Vorträgen nahm Prof. Clemens die Gäste einfach mit in die Augenklinik. Dort erklärte er Ihnen live an der Spaltlampe die Situation der Augenhornhaut nach der Hornhauttransplantation.

Die Hornhauttransplantation ist die häufigste und erfolgreichste Transplantation in der gesamten Medizin. Deutschlandweit transplantieren Ärzte jährlich bis zu 6.000 Hornhäute. Auch in Mecklenburg-Vorpommern bedeutet die Hornhauttransplantation für viele Patienten neue Lebensqualität. Die Wartezeit auf eine Hornhauttransplantation, eine sogenannte Keratoplastik, ist in den vergangenen Jahren auch in MV deutlich zurück gegangen. Heute kommen oft Operationstechniken zum Einsatz, bei denen Ärzte nur noch eine Schicht der erkrankten Hornhaut ersetzen müssen, z.B. die DMEK-Operation. Voraussetzung für jede Hornhauttransplantation, die vielen Patienten das Augenlicht rettet, ist die Augenhornhautspende.

Programm Patientenforum Greifswald

Die beiden Referenten auf dem Patientenforum Greifswald: Experten für Keratoplastik und Gewebespende in MV.

Die beiden Referenten des Abends: Experten für Keratoplastik und Gewebespende in MV.

  • 17.00 Uhr: Begrüßung (Univ.-Prof. Dr. med. Stefan Clemens, Direktor Klinik und Poliklinik für Augenheilkunde)
  • 17.10 Uhr: Hornhauttransplantation – Einführung in die Thematik, Überblick über Krankheitsbilder in der Augenheilkunde (Univ.-Prof. Dr. med. Stefan Clemens)
  • 17.50 Uhr: Gewebespende – Bedeutung, Ablauf und gesetzliche Situation, Entwicklung der vergangenen Jahre (Dr. med. Frank Polster, DGFG)
  • 18.10 Uhr: Erfahrungen aus erster Hand – ein transplantierter Patient berichtet (Univ.-Prof. Dr. med. Stefan Clemens)

 

Woche des Sehens vom 8. bis 15. Oktober 2016

Vom 8. bis 15. Oktober 2016 findet die 15. bundesweite Woche des Sehens statt. Seit dem Jahr 2002 hebt sie mit vielfältigen Aktionen bundesweit die Bedeutung guten Sehvermögens hervor und klärt über die Ursachen vermeidbarer Blindheit sowie die Situation sehbehinderter und blinder Menschen in Deutschland und in den Entwicklungsländern auf. Schirmherrin der Aktionswoche ist auch in diesem Jahr die Fernsehjournalistin Gundula Gause. Getragen wird die Aufklärungskampagne von der Christoffel-Blindenmission, dem Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverband, dem Berufsverband der Augenärzte, dem Deutschen Komitee zur Verhütung von Blindheit, der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft, dem Deutschen Verein der Blinden und Sehbehinderten in Studium und Beruf sowie der PRO RETINA Deutschland. Unterstützt wird die Woche des Sehens von der Aktion Mensch und der Carl Zeiss Meditec AG. www.woche-des-sehens.de