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DGFG fordert bundesweite Initiative zur Förderung der Gewebespende
Flächendeckende Versorgung ist in Deutschland möglich – Mehr Aufklärung in der Öffentlichkeit und in den Krankenhäusern nötig
Berlin, 3. April 2008 – Trotz gestiegener Spendebereitschaft kann noch immer nicht allen Menschen, die auf eine Gewebetransplantat warten, geholfen werden. Was viele nicht wissen: Gewebetransplantationen können wie Organverpflanzungen über Leben und Tod schwer kranker Menschen entscheiden. Dabei wäre es durchaus möglich, den Bedarf an Gewebespenden für ganz Deutschland zu decken. Die DGFG fordert daher, die bisherigen Potenziale der Spendestrukturen bundesweit auszubauen. Zudem ist mehr Aufklärung über die Gewebespende nötig.
„Viele Menschen wissen nicht, dass jeder unabhängig vom Alter nach seinem Tod spenden und damit anderen Menschen Leben schenken oder sie vor Erblindung oder Amputationen bewahren kann“, sagt der Geschäftsführer der DGFG, Martin Börgel. „Wir brauchen mehr Aufklärung nicht nur in der Öffentlichkeit, sondern auch bei Medizinern und Pflegepersonal in den Krankenhäusern. Zugleich müssen die Kliniken bei der Organisation der Spende besser unterstützt werden.“ Die Gewebespende ist nicht wie die Organspende an den Hirntod gebunden. Gewebe können noch mehrere Tage nach einem Herz-Kreislaufstillstand gespendet werden.
Gewebegesetz stärkt die Gewebespende
Einen Schub für die Gewebespende bringt der DGFG zufolge das seit August 2007 geltende neue Gewebegesetz. So müssen transplantierte Gewebe künftig zentral erfasst und die Herkunft der Transplantate genau dokumentiert werden. Damit wird es erstmals genaue Zahlen geben, wie viele Menschen ein Gewebetransplantat erhalten haben. Zudem ist erstmals gesetzlich formuliert, dass analog zum Verbot des Organhandels mit Gewebetransplantaten wie Augenhornhäuten oder Herzklappen nicht gehandelt werden darf. Dies soll menschliche Gewebespenden vor Kommerzialisierung schützen. „Die Regelungen zu Spendermeldungen, Gewebeherkunft und zur Verwendung waren längst überfällig. Sie geben Spendeeinrichtungen und Gewebebanken Rechtssicherheit und Patienten optimalen Schutz“, betont der Vizepräsident der Medizinischen Hochschule Hannover, Holger Baumann. Das fördere die Gewebespende. Die Befürchtungen, dass durch das neue Gewebegesetz weniger gespendet wird, sind bislang nicht eingetreten. 2007 konnte die DGFG sogar mehr Patienten ein Gewebetransplantat vermitteln als im Vorjahr. Insgesamt wurden im vergangenen Jahr allein aus Banken des DGFG-Netzwerkes 1.415 Gewebepräparate transplantiert, wie aus dem DGFG-Jahresbericht 2007 hervor geht. 2006 waren es 1.260 Gewebetransplantate. Dennoch ist der Bedarf bei weitem nicht gedeckt. So werden jährlich rund 8.000-10.000 Hornhäute zur Transplantation benötigt, es stehen aber bundesweit nur rund 5.000-6.000 Transplantate zur Verfügung.
Gewebetransplantation ist längst Routine
Bereits heute werden deutlich mehr Gewebe als Organe transplantiert. Dazu gehören Augenhornhäute, Herzklappen, Blutgefäße oder Haut. Viele Operationen sind inzwischen Routineeingriffe. Eine Schlüsselrolle haben dabei die Universitätskliniken. Sie führen große Gewebebanken und transplantieren die meisten Gewebe. Drei Universitätsklinika, die Medizinische Hochschule Hannover, das Universitätsklinkum Carl Gustav Carus in Dresden sowie das Universitätsklinikum Leipzig stehen als Gesellschafter hinter dem gemeinnützigen Spendernetzwerk der DGFG und wollen damit zur Steigerung der Gewebespende beitragen. „Unser Ziel es, an den Universitätskliniken entwickelte Spendestrukturen in die Fläche zu übertragen, um eine bundesweite Versorgung mit Gewebespenden zu sichern“, sagt Prof. Detlev Michael Albrecht, Medizinischer Vorstand am Dresdner Universitätsklinikum Carl Gustav Carus. „ Den Patienten die auf ein Transplantat warten helfen nur mehr Spenden und nicht die Verwaltung des Mangels durch Vermittlungsstellen. Wir benötigen eine bundesweite Initiative zur Förderung der Gewebespende“, erläutert Dipl.-Kfm. Matthias Wokittel, Kaufmännischer Vorstand am Universitätsklinikum Leipzig.
Hohes Engagement macht Potenziale deutlich
Positives Beispiel ist Mecklenburg-Vorpommern bei der Spende von Augenhornhäuten. Dort kommen durch das Engagement aller Beteiligten 140 Spender auf eine Million Bewohner. Würde überall so viel gespendet werden, könnte jeder der etwa 8.000-10.000 Patienten, die jährlich eine Transplantation benötigen, eine Hornhaut bekommen.

