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Mehr als 40 Gäste und Referenten nahmen am Expertentreffen zum Thema "Organ- und Gewebespende - Angehörigenbetreuung und Öffentliche Arbeit" am 21. Oktober in Hannover teil. Im Mittelpunkt stand der Austausch mit Selbsthilfegruppen, Krankenkassen, der DSO sowie der BZgA über den aktuellen Stand der Öffentlichkeitsarbeit und die Praxis der Angehörigenbetreuung.

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Gewebespenden im medizinischen Alltag

Der Tod eines nahen Angehörigen stellt für Familien eine schwierige und schmerzvolle Ausnahmesituation dar - Expertentagung der DGFG diskutiert ethische und rechtliche Fragen rund um die Gewebespende

In dieser Situation auch noch mit der Frage einer möglichen Gewebespende konfrontiert zu werden, führt zu verständlicher Unsicherheit und Zweifeln. Umso mehr gilt es, in den Kliniken Strukturen zu entwickeln, die Angehörige hin zu einer tragbaren und stabilen Entscheidung begleiten.

Die 5. Expertentagung der Deutschen Gesellschaft für Gewebetransplantation (DGFG) beschäftigt sich am 12. November 2009 inhaltlich mit der Betreuung von Gewebespendern sowie der Entnahme von Gewebespenden im medizinischen Alltag. Die Verpflanzung von Geweben ist oftmals die einzige erfolgversprechende Behandlungsmöglichkeit für schwer kranke Patienten. So können Menschen dank einer Spenderhornhaut wieder sehen, werden durch eine Transplantation von Blutgefäßen vor dem Tod oder vor einer Amputation bewahrt, erhaltennach einer Knochenspende ihre Mobilität zurück oder gewinnen mit einem Herzklappentransplantat wertvolle Lebensjahre.„Viele Menschen wissen nicht, dass jeder unabhängig vom Alter nach seinem Tod Gewebe spenden und damit anderen Menschen Leben schenken, sie vor Erblindung oder Amputation bewahren kann. Hier ist ein umfangreicher Informations- und Beratungsbedarf notwendig“, sagt Dr. Frank-Peter Nitschke, Medizinischer Leiter der DGFG. Die Gewebespende ist eine freiwillige Entscheidung – der eine entschließt sich dafür aus Nächstenliebe, der andere findet Trost in seiner eigenen Trauer oder sieht seine Entscheidung eher pragmatisch, notwendig und lebensbejahend.

Auch wenn die Motive unterschiedlich sind – die Entscheidung für eine Gewebespende nach dem Tod muss zu Lebzeiten getroffen werden. Deshalb sollte sich jeder mit diesem Thema beschäftigen. „Schätzungen gehen davon aus, dass beispielsweise jährlich etwa 8.000 Menschen auf ein Augenhornhauttransplantat warten“, sagt Martin Börgel, Geschäftsführer der DGFG. Nur etwa 5.000 bis 6.000 von ihnen kann derzeit mit einem Transplantat geholfen werden. Obwohl seit Jahren deutlich mehr Gewebe als Organe transplantiert werden, ist die Gewebespende in der Öffentlichkeit nahezu unbekannt. Nicht selten führt ein Mangel an Spenden dazu, dass Patienten lange auf ein geeignetes Transplantat warten müssen. Jedes Jahr sterben Menschen, weil ihnen nicht rechtzeitig geholfen werden kann.

Das Inkrafttreten des Gewebegesetzes vor zwei Jahren führte zu einem deutlichen Rückgang der Spendezahlen aus der Organspende. Wie lässt sich beispielsweise die „Gewebespende an der Schnittstelle Organspende“ besser organisieren? Diese und ähnliche Fragen werden von Praktikern aus dem Alltag beleuchtet. Diskutiert werden ferner die Alltagstauglichkeit des Gewebegesetzes sowie die Bewertung der Regelungen des Gewebegesetzes aus Sicht des Bundesministeriums für Gesundheit.

Zu den Referenten zählen Prof. Dr. med. Günter Kirste (Deutsche Stiftung Organtransplantation), Ass. jur. Friedrich R. München (Krankenhausgesellschaft Sachsen), Prof. Dr. med. Frank Feyerherd (Ernst-Moritz-Arndt Universitätsklinik Greifswald), Prof. Dr. med. Hans- Oliver Rennekampff (Medizinische Hochschule Hannover), PD Dr. Wolfgang Thasler (Klinikum Großhadern der Ludwig-Maximilians-Universität München) und weitere.

Die Deutsche Gesellschaft für Gewebetransplantation ist eine unabhängige, gemeinnützige Organisation, die die Gewebespende und -transplantation in Deutschland unterstützt und auf lokaler Ebene koordiniert. Sie stellt ein bundesweites Netzwerk zahlreicher Kliniken, Gewebebanken und medizinischer Einrichtungen dar, die im Bereich der Gewebespende, Aufbereitung und Vermittlung von Gewebetransplantaten tätig sind. Es ist das größte deutsche Netzwerk seiner Art auf dem Gebiet der Gewebemedizin. Die DGFG lädt jährlich Fachleute, Journalisten und die interessierte Öffentlichkeit zu einer Tagung ein.