Arbeiten in der Gewebespende – Mehr als ein Job

Wir arbeiten gemeinsam an der Versorgung von Patienten. Die DGFG ist eine gemeinnützige Gesellschaft. Wir werden von fünf Kliniken, darunter vier Universitätskliniken, getragen. Damit gelten in vielen Bereichen die Regularien und Vorgaben unserer Gesellschafter. Auch alle betriebswirtschaftlichen Aktivitäten unterliegen deren Revisionsabteilungen und den Landesrechnungshöfen der entsprechenden Bundesländer. Die DGFG bekommt keine staatlichen Zuschüsse. Sie muss alle Aufwendungen selbst erwirtschaften.

Mitarbeiterschulungen: Einige Gewebespendekoordinatoren der DGFG waren beim Workshop zur Spende kardiovaskulärer Gewebe in Braunschweig

Mitarbeiterschulungen: Einige Gewebespendekoordinatoren der DGFG waren beim Workshop zur Spende kardiovaskulärer Gewebe in Braunschweig

Arbeitszeiten müssen flexibel sein

Die Organisation der Gewebespende bestimmt maßgeblich den Arbeitsalltag unserer Mitarbeiter. In der Spende sind unsere Gewebespendekoordinatoren tätig. Sie verantworten, in Absprache mit ihrer Regionalleitung, die Organisation der Gewebespende an den von ihnen betreuten Krankenhäusern und in der umliegenden Region. Die meisten Gewebespenden finden in den pathologischen Abteilungen der kooperierenden Krankenhäuser statt. Bedingt durch deren Betriebszeiten, finden die meisten Gewebeentnahmen wochentags zwischen 8 und 17 Uhr statt. Eine Hornhautspende ist bis zu 72 Stunden nach dem Tod möglich. Durch dieses lange Zeitfenster sind Entnahmen am Wochenende die Ausnahme.

Anders sieht es bei Organspendern aus, bei denen eine Gewebespende möglich ist. Diese Entnahmen finden häufig in den Nachtstunden statt. Es ist von Vorteil, wenn ein Mitarbeiter der DGFG vor Ort dabei ist. Dies kann zu Einsätzen auch nachts, an Wochenenden und Feiertagen führen. Über alle Koordinatoren der DGFG verteilt, sind diese Einsätze jedoch sehr begrenzt. Leider stagniert die Organspende seit Jahren und damit auch die Gewebespende bei Organspendern. 2017 gab es insgesamt 229 Gewebespenden bei Organspendern.

Deutlich zeitaufwändiger als die eigentliche Entnahme ist das Spenderscreening: die erste Einschätzung, ob ein Verstorbener für eine mögliche Gewebespende in Frage kommt. Die Koordinatoren prüfen die anonymen Verstorbenenmeldungen anhand definierter Kriterien. Bedingt durch die stark kommunikative Tätigkeit und die Einbeziehung vieler Beteiligter ist es oftmals nötig, Ansprechpartner in den Kliniken mehrfach zu kontaktieren. Dies macht einen flexiblen Arbeitsalltag nötig. Alle Koordinatoren der DGFG sind mit mobilen Geräten (Smartphone, Laptop) ausgestattet. An vielen Standorten stehen Fahrzeuge oder auch Fahrdienste zur Verfügung, um die Spende sicherzustellen. Somit ergibt sich für die Koordinatoren ein sehr abwechslungsreicher und interessanter Arbeitsplatz.

Egal was Sie schon können: Arbeiten bei der DGFG heißt Neues lernen

Neben einer ausführlichen Einarbeitung zu Beginn der Tätigkeit bei der DGFG finden regelmäßig und verpflichtend für jeden Koordinator mindestens zwei Fortbildungen im Jahr statt.

Themen sind u.a.:

  • Gesprächsführung und Kommunikation
  • Medizinisches Fachwissen
  • Gesetzliche Grundlagen
  • Qualitätsmanagement

Die berufliche Auseinandersetzung mit trauernden Angehörigen und verstorbenen Menschen kann belasten. Jeder Mitarbeiter hat die Möglichkeit, an einer Gruppen-Supervision teilzunehmen.

Koordinatoren in Dresden

Koordinatoren in Dresden

Im Interview erzählen Dr. Andrea Thäder-Voigt, Li Kaltanecker und Matthias Polzin von ihrer Arbeit am Standort in Dresden.
mehr...
dgfg_kerstin_bruhns

Kerstin Bruhns im Portrait

Kerstin Bruhns (MTLA) ist Mitarbeiterin in der Kornea- und Gewebebank Schwerin, einer gemeinsamen Gewebebank von den Helios Kliniken Schwerin und der DGFG.
mehr...

Steffi Mahnhardt im Portrait

Hier geht es zum Mitarbeiterportrait von Gewebespendekoordinatorin Dr. Steffi Mahnhardt. Sie arbeitet am Standort in Greifswald.
mehr...

Vielleicht doch noch promovieren?

Neben dem Schulungsprogramm der DGFG gibt es für jeden Mitarbeiter, in Abstimmung mit der DGFG, die Option, seine eigenen Interessen zu verfolgen. Die DGFG fördert eine mögliche Promotion, große und kleine Forschungsvorhaben oder auch Weiterbildungen in anderen Bereichen. In den vergangenen Jahren haben einige unserer Koordinatoren neben ihrer Tätigkeit bei der DGFG ihre Promotion abgeschlossen. Über unsere Kontakte wie mit Prof. Dr. med. habil. Katrin Engelmann und unseren Kooperationen innerhalb des Netzwerks, ist es möglich, Themen und Betreuer für wissenschaftliche Projekte, Abschlussarbeiten (Bachelor, Master) oder Promotionen zu finden.

Die Gewebemedizin entwickelt sich kontinuierlich weiter. Es stehen immer neue und spannende Themen zur Bearbeitung an. Die Mitarbeit der Koordinatoren ist ausdrücklich erwünscht. Das Spektrum reicht von kleineren Validierungsstudien, die in der DGFG durchgeführt werden, bis hin zu ganz eigenständigen Themen. Es ist erwünscht, Ergebnisse zu veröffentlichen und auf nationalen und internationalen Tagungen zu präsentieren. Fahrt- und Reisekosten übernimmt die DGFG.

Arbeiten in den schönsten Regionen Deutschlands

Das Netzwerk wächst seit Jahren. Es kommen jährlich neue Standorte hinzu. Die DGFG schließt bei Neueinstellung in der Regel auf zwei Jahre befristete Arbeitsverträge ab. Die Geschäftsführung entfristet die allermeisten dieser Verträge bei Ablauf. Es kommt vor, das ein Mitarbeiter an einem Standort im Netzwerk beginnt, jedoch schon früh die Option eingeräumt bekommt, versetzt zu werden, sollte in der von Ihm bevorzugten Region Bedarf bestehen. Da die DGFG nahezu in ganz Deutschland tätig ist, kann die Stelle bei familiären und räumlichen Veränderungen unter Umständen an einem anderen Standort beibehalten werden. Dies macht sich auch in der hohen „Geburtenrate“ in der DGFG bemerkbar. In den vergangenen Jahren haben zahlreiche Mitarbeiter Nachwuchs bekommen. Aufgrund der guten mobilen Ausstattung und der flexiblen Arbeitszeiten sind Beruf und Familie gut vereinbar.

DGFG-Mitarbeiter laufen beim Hannover Marathon 2017 für die Gewebespende

DGFG-Mitarbeiter laufen beim Hannover Marathon 2017 für die Gewebespende

Die Koordinatoren arbeiten in der Regel in regionalen Teams zusammen, zum Teil auch allein. Die Teams haben eine starke kollegiale Ausprägung. Die Hierarchien in der DGFG sind flach. Dies fordert Eigeninitiative und Verantwortung, aber auch umsichtiges Kommunikationsverhalten und Vertrauen. Diese Kompetenzen bilden die Grundpfeiler der Arbeit im Gewebenetzwerk der DGFG. Es gibt keinen Platz für einzelgängerische und unkooperative Verhaltens- und Arbeitsweisen.

Wir reden noch miteinander… für alles andere gibt es die EDV

Die DGFG fördert den Einsatz mobiler und webbasierter Technologien. Neben den operativen Datenbanken als tägliches „Arbeitswerkzeug“ der Koordinatoren verfügt die DGFG über ein Social Intranet zur bereichs- und gruppenspezifischen Kommunikation.

Die Datenbanken funktionieren prozessgesteuert. Sie strukturieren, gemäß den gesetzlichen Vorgaben aus dem Gewebegesetz, viele Abläufe in der täglichen Routine. Damit haben alle Mitarbeiter jederzeit ein Überblick über den aktuellen Stand ihrer Arbeit.

Trotz aller Möglichkeiten der elektronischen Kommunikation reden wir immer noch miteinander – von Mensch zu Mensch! Es gibt regelmäßige Besprechungen:

  • Regionalbesprechung (Koordinatoren der Region, ärztliche Mitarbeiter, Regionalleitung)
  • Quartalsbesprechung (Regionalleitung, Verwaltung, Geschäftsführung)
  • Mitarbeitergespräch (jährlich mit der Geschäftsführung)
  • Weihnachtsfeier mit allen Mitarbeitern

Das liebe Geld

Die Mitarbeiter der DGFG tragen dazu bei, Patienten mit einem Gewebetransplantat zu helfen. Die Arbeit als Gewebespendekoordinator ist anspruchsvoll. Sie ist keine Routinearbeit: Die Standorte entwickeln sich weiter, die Ansprechpartner wechseln oder das Team verändert sich. Es kommen andere Gewebe und andere Durchführungsprozesse hinzu. Neben einem eher im unteren Bereich anzusiedelnden Grundgehalt vergütet die DGFG die zusätzlich geleisteten Dienste und Einsätze. Dabei orientiert sie sich an den üblichen Erstattungen der Unikliniken. Es gibt keine leistungsbezogenen Gehaltselemente, z.B. die Zahl der realisierten Spenden. Solche Gehaltsbestandteile und Verquickungen sind nicht gewollt und nicht vertretbar. Mitarbeiter könnten aufgrund ihrer hohen Qualifikation in der Industrie- und Pharmabranche oder als Freiberufler ein höheres Gehalt erzielen. Hier kann und wird die DGFG nicht mithalten können. Neben der Vergütung steht für uns vor allem die Sinnhaftigkeit der Arbeit, die Vereinbarung von Beruf und Familie und somit die Dauerhaftigkeit und die Flexibilität der Arbeitszeit im Vordergrund.