*** Korrekturhinweis: In dieser Mitteilung sind alle Zahlen zur Spende auf den 27.12.2018 zurückgesetzt. In der Vorversion wurden bezüglich der Spende bereits die finalen Zahlen zum 31.12. ausgewiesen. Die Zahl der vermittelten Herzklappen war fehlerhaft und wurde korrigiert. ***

Hannover, 1.1.19 – 2.705 Menschen haben im vergangenen Jahr Gewebe gespendet. Gegenüber dem Vorjahr ein Plus von 16 Prozent. Durch die uneigennützige Entscheidung für die Spende von Geweben konnten in 2018 5.494 Transplantate Menschen zeitnah und sicher versorgen.

„Spender*innen und ihren Angehörigen gilt unser besonderer Dank“, betont Martin Börgel, Geschäftsführer der DGFG. Neben der Zustimmung zur Gewebespende spielt auch das Engagement der Krankenhäuser eine entscheidende Rolle. „Nicht jedes Krankenhaus verfügt über eine eigene Gewebebank und ist in der Lage, Gewebespenden zu realisieren. Wir freuen uns, dass sich immer mehr Kliniken in der Gewebespende und im Netzwerk der DGFG engagieren“, hält Börgel fest. „Denn der Bedarf an humanen Gewebetransplantaten ist nach wie vor hoch.“

Vorort-Präsenz als Schlüssel zum Spendeplus

Den Schlüssel zu der positiven Spendeentwicklung sieht Börgel in der Vorort-Präsenz: “Unsere Koordinator*innen unterstützen die Kliniken da, wo es nötig ist: vor Ort – beim Spenderscreening, dem Angehörigengespräch, der Gewebeentnahme sowie bei gesetzlichen Belangen und behördlichen Auflagen.” Von inzwischen 27 Standorten aus realisieren 44 Koordinator*innen die Gewebespende an über 90 Krankenhäusern deutschlandweit. Im offenen Netzwerk der DGFG kooperieren zahlreiche Universitätskliniken, kommunale und konfessionelle Krankenhäuser, aber auch große Klinikverbünde.

In 2018 kamen das Klinikum Oldenburg, die Asklepios Klinik Hamburg-Barmbek, das Universitätsklinikum Heidelberg und zuletzt das Helios Klinikum Erfurt als DGFG Standorte hinzu. Die Zahl der Koordinator*innen im Netzwerk der DGFG, die über ihren Standort hinaus weitere regionale Krankenhäuser bei der Spende unterstützen, steigt seit Jahren stetig. Die Spenden in Baden-Württemberg, dem Saarland, Thüringen und Berlin haben sich so gegenüber dem Vorjahr nahezu verdoppelt.

Seit Mai 2018 ist die Lions Hornhautbank am Universitätsklinikum Heidelberg ebenfalls Teil des DGFG Netzwerks. 12 Gewebebanken ermöglichen aktuell eine bestmögliche Versorgung von Patient*innen in Transplantationszentren in ganz Deutschland.

Viele Gespräche, hohe Zustimmung

Insgesamt gingen 35.992 Meldungen potenzieller Spender*innen an den Spendekrankenhäusern im Netzwerk bei der DGFG ein. Nach der Prüfung der potenziellen Spender*innen auf medizinische Kontraindikationen wurden 7.681 Gespräche mit Angehörigen geführt, um auf die Möglichkeit der Gewebespende hinzuweisen und bei einer informierten Entscheidung im Sinne der verstorbenen Person zu unterstützen.

Die durchschnittliche Zustimmungsquote zur Gewebespende lag bei rund 38 Prozent. Dies zeigt deutlich, dass die Gewebespende als gesamtgesellschaftliche Aufgabe wahrgenommen wird – jenseits der gegenwärtigen Diskussion um die Zustimmungslösung im Bereich der Organspende. Es gibt eine große Zustimmung in der Bevölkerung.

Augenhornhaut: Neue OP Verfahren greifen, innovative Transplantate sind gefragt

3.661 Hornhauttransplantate von der DGFG halfen Patient*innen im vergangenen Jahr. Im Durchschnitt werden pro Jahr rund 7.000 Hornhauttransplantationen in Deutschland durchgeführt. „Mehr als jede zweite Hornhaut kommt von der DGFG. Wir können mittlerweile bei der Hornhauttransplantation die meisten Anfragen innerhalb weniger Wochen erfüllen“, sagt Börgel.

Unter den vermittelten Hornhäuten waren 347 Hornhautlamellen (LaMEK) für eine besonders schonende Transplantationstechnik. Bei solchen Operationen, sogenannten DMEK (Descemet Membrane Endothelial Keratoplasty), muss nur eine dünne Schicht der Hornhaut ersetzt werden. Bei dieser OP-Technik erholt sich die Sehfähigkeit der Patienten deutlich schneller. Das Infektionsrisiko sinkt. Die Präparation erfolgt in der Gewebebank Hannover und der Knappschaftsgewebebank Sulzbach. Die Innovation in der Versorgung der Patient*innen hat in den letzten Jahren ohne viel Aufmerksamkeit Einzug in die meisten Transplantationszentren gehalten.

Kardio-vaskuläre Gewebe: Neues Spendeprogramm zeigt Erfolge

Die DGFG konnte 2018 insgesamt 123 Herzklappen und 75 Gefäße zur Transplantation vermitteln. Doch auch bei einem Spendeplus von 33 Prozent im KVG-Bereich (isg. 495 in 2018), ist der Bedarf dieser Gewebe in der Transplantationsmedizin nach wie vor sehr hoch. Herzklappen und Blutgefäße stammten bisher aus der Organspende. Die DGFG hat in 2017 ein Programm zur Spende kardiovaskulärer Gewebe (KVG) von Herz-Kreislauf-Verstorbenen initiiert. Damit können diese Gewebe auch von allen Verstorbenen und nicht nur Organspender*innen gespendet werden. Herzklappen und Blutgefäße können noch bis zu 36 Stunden nach Todeseintritt entnommen werden. Insgesamt zehn KVG-Spenden von Herz-Kreislauf-Verstorbenen konnten 2018 realisiert werden; 2017 waren es sechs Spenden.

Bescheid wissen: Wichtig für Spender*innen und Angehörige

Die Bemühungen um mehr Spenden aus dem kardio-vaskulären Bereich unterstützt außerdem die Aufklärungsarbeit der DGFG in Bewegtbild: Im September veröffentlichte die DGFG einen Film zur Herzklappenspende und -transplantation. Darin berichten Transplantatempfänger*innen, Koordinator*innen sowie Ärzte von ihren Erfahrungen.

Aus Spendengeldern von Transplantatempfänger*innen oder eingeworben durch die Mitarbeiter*innen der gemeinnützig organisierten DGFG beim jährlichen Spendenlauf, konnte in diesem Jahr außerdem ein Aufklärungsfilm zur Knochen- und Knorpelspende finanziert werden: “Viele hören zum ersten Mal von der Gewebespende, wenn sie im Todesfall eines geliebten Menschen durch unsere Koordinator*innen kontaktiert werden. Dies ist eine schwere Entscheidungssituation – insbesondere dann, wenn der Wille der oder des Verstorbenen nicht bekannt war. Unser Anliegen ist, dass Menschen zu Lebzeiten eine Entscheidung treffen und diese mit ihren Nächsten besprechen.”, so Börgel.

Gewebespenden von Organspendern gestiegen

305 Organspender*innen waren im vergangenen Jahr Gewebespender*innen; 72 mehr als im Vorjahr. „Wir freuen uns über die stete und gute Zusammenarbeit mit der Deutschen Stiftung Organtransplantation an dieser Schnittstelle von der Organ- zur Gewebespende“, betont Börgel, “Wir blicken auch gespannt auf die Wirkung der neuen Gesetzgebung zur Organspende.”

Dennoch ist der Anteil an Organspender*innen, die Gewebespender*innen sind, insgesamt sehr gering. Die Hirntoddiagnostik spielt bei der Gewebespende keine Rolle: 2.364 Gewebespender*innen und damit knapp 90 Prozent sind an einem Herz-Kreislauf-Stillstand verstorben.

Fast jede*r Verstorbene kann Gewebe spenden

Gewebe, die nach dem Tod gespendet werden können, sind neben Augenhornhäuten, Herzklappen und Blutgefäßen auch Knochen, Sehnen, Bänder und Haut. Aus der Lebend-Gewebespende kommt die Amnionmembran, die vor allem in der Ophthalmologie zur Behandlung von Erkrankungen der Augenoberfläche verwendet wird, sowie in der gynäkologischen Chirurgie, Mund-Kiefer-Chirurgie sowie als temporären Hautersatz bei thermischen Verletzungen und Wundheilungsstörungen. Die Amnionmembran ist Teil der Plazenta und kann von einer Mutter nach einer Kaiserschnittgeburt gespendet werden. Sie verfügt über hervorragende, wundheilungsfördernde Eigenschaften. Die Zahl der Spenden konnte in diesem Jahr nahezu verdoppelt werden. 1.635 Einzelpräparate konnten aus diesen Spenden zur Transplantation vermittelt werden.

Die DGFG ist eine unabhängige, gemeinnützige Gesellschaft, die ausschließlich von öffentlichen Einrichtungen des Gesundheitswesens getragen wird Gesellschafter sind das Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden, das Universitätsklinikum Leipzig, die Medizinische Hochschule Hannover, die Universitätsmedizin Rostock sowie das Dietrich-Bonhoeffer-Klinikum Neubrandenburg. Die DGFG ist in ihrer Aufbaustruktur, der Freiwilligkeit der Unterstützung durch die Netzwerkpartner und ihrer Unabhängigkeit von privaten oder kommerziellen Interessen einzigartig in Deutschland.

Die DGFG fördert seit 1997 die Gewebespende und -transplantation in Deutschland. Auf der Basis des Gewebegesetzes von 2007 sind alle Tätigkeiten und Ablaufprozesse der Gewebespende gesetzlich geregelt. Für alle Gewebezubereitungen gilt das Handelsverbot. Die DGFG vermittelt ihre Transplantate über eine zentrale Vermittlungsstelle mit einer bundesweiten Warteliste. Jede medizinische Einrichtung in Deutschland kann Gewebe von der DGFG beziehen.

Alle Angaben zu den Jahreszahlen 2018 sind vorläufig (Stand 27.12.2018).

Download Presseinformation

DGFG_Gewebespende_2016-2018

 

 

 

 

Kontakt DGFG

Julia-Maria Blesin
0511 – 563 559 34