Empfängerschutz geht vor

Der optimale Nutzen für den Empfänger und der unbedingte Schutz vor übertragbaren Krankheiten erfordern eine strenge Risikoabwägung. Die medizinische Indikationsprüfung dient dem Ausschluss absoluter Kontraindikationen. Rufen Sie uns unter der gebührenfreie 24-Stunden-Rufnummer 0800 – 511 5000 an, wenn Sie Fragen zu möglichen Kontraindikationen einer Gewebespende haben. Unser ärztlicher Dienst klärt gemeinsam mit Ihnen ab, ob eine Gewebespende möglich ist. Eventuell sind weitere behandelnde Ärzte zur Informationsgewinnung zu befragen.

Kontraindikationen sind Ausschlussgründe für eine Gewebespende bzw. gelten als Risikofaktoren. Kontraindikationen sind gewebespezifisch. Darüber hinaus gibt es absolute Kontraindikationen. Die nachfolgende Übersicht führt die häufigsten absoluten Kontraindikationen auf. Die Zusammenstellung erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

  • virale Infektionen: HIV, HBV, HCV, HTLV I/II, Masern, Röteln, VZV, Meningitis/Enzephalitis
  • aktive systemische Infektionen (bakteriell: z.B. Typhus, Borreliose, Lues, TBC; parasitär: z.B. Malaria, Toxoplasmose)
  • Sepsis mit multiresistenten bakteriellen Erregern (MRSA, VISA, VRSA, ESBL) bzw. Pilzsepsis
  • jemals Tumore des hämatopoetischen Systems (myelodysplastisches Syndrom, Leukämie, maligne Lymphome, Plasmozytom, Polycythaemia vera)
  • Empfänger von Cornea, Sklera, Dura mater
  • zentralnervöse Erkrankung unklarer Genese (z.B. M. Alzheimer, M. Parkinson, ALS, MS)
  • Risiko der Krankheitsübertragung durch Prionen (Personen mit CJD bzw. in der genetischen Familie; mit rasch fortschreitender Demenz; Empfänger von menschlichen Hypophysenhormonen)
  • Langzeit-Immunsuppressiva
  • unklare Todesursache (außer bei geplanter Obduktion)
  • Personen mit ungeklärten Infekten aus Zika-Virus-Gebieten

Die Beurteilung der Spendereignung erfolgt durch einen Arzt der DGFG. Zur Erhebung der Informationen dienen unter anderem

  • die aktuelle und historische Krankenakte des Spenders
  • die Befragung der behandelnden Ärzte bzw. des Hausarztes des Verstorbenen
  • die Befragung einer Person, die den Spender gut kannte
  • der Autopsiebericht.

Altersgrenzen

Augenhornhaut

  • Es gibt keine obere Altersbegrenzung für die Spende von ophthalmologischen Gewebe (Auge). Eine Gewebeentnahme ist auch im hohen Lebensalter möglich. Eine Einschränkung gilt für Spender unter 3 Jahren.

Herzklappen und Blutgefäße

  • Eine untere Altersgrenze existiert nicht. Eine Gewebespende bei Neugeborenen und Säuglingen ist möglich – der Bedarf sehr hoch. Die obere Altersgrenze für die Spende von Aortenklappen und Blutgefäßen liegt in der Regel bei 70 Jahren. Pumonalklappen können bis zu einem Alter von 80 Jahren gespendet werden. Ausnahmen davon sind nach individueller Abwägung möglich.

Knochen und Weichgewebe

  • Die Altersgrenzen variieren nach Art des Gewebes. Entnahmen sind in der Regel bis zum 75. Lebensjahr möglich. Bei den großen Röhrenknochen auch darüber.

Infektionsdiagnostik

Es kommen nur Spender in Frage, bei denen Blut für eine valide Diagnostik vorhanden ist. Bitte sichern Sie eine aktuelle Blutprobe (mind. Serum und EDTA) aus den Rückstellungen des Labors für die vorgeschriebenen virologischen Untersuchungen. Ist keine Rückstellprobe verfügbar, kann innerhalb von 24 Stunden nach Todeseintritt eine Blutprobe abgenommen werden. Bei Organspenden erfolgt die Blutentnahme spätestens vor Perfusionsbeginn. Die Blut- bzw. Plasmaverdünnung darf 50 Prozent nicht übersteigen.