DGFG realisiert im Universitätsklinikum Leipzig erste Herz- und Gefäßentnahme mit Mobilem Team

Wichtiger Schritt in der Spende kardiovaskulärer Gewebe bei Herz-Kreislauf-Verstorbenen gelungen

Ende Juli konnte die Deutsche Gesellschaft für Gewebetransplantation (DGFG) im Universitätsklinikum Leipzig die erste Spende kardiovaskulärer Gewebe (KVG) bei einem Herz-Kreislauf-Verstorbenen realisieren. Das Universitätsklinikum Leipzig ist Gesellschafter der DGFG und leistet mit der engen Zusammenarbeit mit der gemeinnützigen Organisation einen wichtigen Beitrag, die Patientenversorgung mit Herzklappen und Blutgefäßen in Deutschland weiter zu verbessern. Denn auch heute, elf Jahre nach Inkrafttreten des Gewebegesetzes, ist der Mangel an kardiovaskulären Gewebetransplantaten sehr hoch: Der Bedarf an Herzklappen und Blutgefäßen liege Schätzungen zu Folge pro Jahr bei jeweils 500 Transplantationen. Es können jedoch nicht einmal die Hälfte der wartenden Patienten versorgt werden.

Herzklappen und Blutgefäße stammten bisher überwiegend aus der Organspende. 233 Organspender waren im vergangenen Jahr Gewebespender. Dennoch ist der Anteil an Organspendern, die Gewebespender sind, insgesamt sehr gering. „Aufgrund der begrenzten Zahl an Organspendern sind wir auf die Spende dieser Gewebe von Herz-Kreislauf-Verstorbenen angewiesen“, betont Martin Börgel, Geschäftsführer der DGFG. Im vergangenen Jahr hat die DGFG an mehreren Standorten im deutschlandweiten Netzwerk angefangen, ein solches KVG-Spendeprogramm zu etablieren – mit Erfolg. Während die Entnahme bislang von den Chirurgen der Kliniken durchgeführt wurde, kam in Leipzig nun zum ersten Mal das neue Mobile Team der DGFG zusammen, bestehend aus einem Arzt und einem Koordinator.

Ein eigenes mobiles Entnahmeteam erhöht die Chance, eine solche Spende zu realisieren, da wir nicht mehr ein ganzes Chirurgen-Team der Kliniken benötigen.

KVG-Spende bei Herz-Kreislauf-Verstorbenen: ein Wettlauf mit der Zeit

Das Zeitfenster einer KVG-Spende bei Herz-Kreislauf-Verstorbenen ist begrenzt. Innerhalb kürzester Zeit müssen Entnahmeteam und -raum bereitstehen. „Wir versuchen eine solche Spende binnen 24 Stunden von der Meldung des potenziellen Spenders bis zur Entnahme des Herzens und der Blutgefäße zu realisieren“, erklärt der ärztliche Regionalleiter der DGFG Dr. med. Frank Polster, der als Teil des Mobilen Entnahmeteams die KVG-Spende begleitet hatte. „In dieser Zeit erfolgt die komplette Spenderdiagnostik, die Aufklärung der Angehörigen und im Falle einer Zustimmung die entsprechende logistische und personelle Organisation sowohl der Entnahme als auch des späteren Versands der Spende in die Gewebebank.“ Liegt eine Freigabe zur Spende kardiovaskulärer Gewebe vor, muss die Entnahme in enger Abstimmung mit dem Klinikpersonal organisiert und vorbereitet werden. „Ein großer Dank geht an dieser Stelle an den Leiter der Gefäßchirurgie Dr. med. Holger Staab, der uns bei der Spende aktiv unterstützt hat.“

Wir versuchen eine solche Spende binnen 24 Stunden von der Meldung des potenziellen Spenders bis zur Entnahme des Herzens und der Blutgefäße zu realisieren.

Auf dem richtigen Weg, doch noch lange nicht am Ziel

Ist ein Patient auf eine neue Herzklappe oder ein Gefäß angewiesen, dann steht meist sein Leben auf dem Spiel. „Umso wichtiger ist es, dass wir mit der DGFG weiter daran arbeiten, eine zeitnahe und sichere Versorgung mit diesen lebensrettenden Transplantaten sicherzustellen“, sagt Prof. Dr. med. Wolfgang E. Fleig, Ärztlicher Direktor des Leipziger Universitätsklinikums. Wenn die Herzklappen z. B. aufgrund eines angeborenen Herzfehlers nicht richtig funktionieren, wird jede körperliche Anstrengung zu einer großen Herausforderung. Schon seit einigen Jahren werden Patienten mit einer Herzklappeninsuffizienz Alternativen zu den sogenannten Homografts, den menschlichen Spenderherzklappen, implantiert – mit deutlichen Nachteilen gerade für jüngere Patienten: Tierische Herzklappen haben eine sehr begrenzte Haltbarkeit, mechanische Herzklappen sind mit einer lebenslangen blutverdünnenden Medikation verbunden. Auch ihre Haltbarkeit ist begrenzt. Jede Nachoperation am offenen Herzen birgt für den Patienten ein hohes Risiko und verringert dazu auch noch seine Lebenserwartung. Sind Gefäßprothesen erst einmal infiziert, kann nur ein Gefäß eines Gewebespenders das Leben des Patienten, das hierbei auf dem Spiel steht, retten. In diesen Fällen zählt jede Minute.

DGFG baut Netzwerk für Gewebespende in Region Ost weiter aus

Voraussetzung für eine Herzklappen- oder Gefäßtransplantation ist die Gewebespende. Diese wiederum kann nur realisiert werden, wenn die Kliniken potentielle Spender an die DGFG melden. Die zwei größten Kliniken aus dieser Region sind bereits seit der Geburtsstunde der DGFG 2007 Gesellschafter: das Universitätsklinikum Leipzig sowie das Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden. Seit über zehn Jahren engagieren sich die beiden Uniklinika und zahlreiche weitere Krankenhäuser aus Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen sehr erfolgreich und unaufgeregt für die Gewebespende. Im Ergebnis ist die Versorgung der Patienten über die Jahre dank dieses Engagements deutlich verbessert worden. Allein in diesem Jahr konnte die DGFG bislang in dieser Region 360 Gewebespenden realisieren. Prinzipiell kann jeder Verstorbene Gewebe spenden, so lange keine medizinischen Ausschlussgründe wie Infektionskrankheiten vorliegen. Neben Herzklappen und Blutgefäßen können Verstorbene auch Augenhornhäute, Knochen, Sehnen, Bänder und Haut nach dem Tod für andere Menschen spenden.

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Kristin Becke
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