August 2018 – Dr. rer. nat. Patrick Merz, seit Juli 2017 wissenschaftlicher Leiter der Lions Hornhautbank Heidelberg, spricht im Interview über die Kooperation in der Augenhornhautprozessierung mit der DGFG.

Seit wann gibt es die Hornhautbank am Universitätsklinikum Heidelberg?

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Dr. Patrick Merz, wissenschaftlicher Leiter der Lions Hornhautbank Heidelberg

1999 startete die Arbeit der Hornhautbank hier am Uniklinikum. Damals war Prof. Völker Direktor der Augenklinik. Er hatte Prof. Kruse beauftragt eine Hornhautbank aufzubauen. Im Jahr 2000 wurde die Bank ausgegründet und ein Antrag auf die Einrichtung einer erweiterten Hornhautbank gestellt. Seitdem wurden neben der Serologie auch mikrobiologische Untersuchungen durchgeführt. 2003/2004 war dann alles eingerichtet und etabliert. Dann konnte die richtige Hornhautbankarbeit beginnen. Wir haben es bisher noch nicht geschafft, uns komplett selbst mit ausreichend Augenhornhauttransplantaten zu versorgen. Das war damals der Beweggrund, bei den Lions einzusteigen, die Hornhautbanken bekanntlich weltweit unterstützen. Die Lions verfolgen das Ziel „Fight for Sight“ – den Kampf gegen die vermeidbare Blindheit. Dank der u. a. finanziellen Unterstützung konnten wir für die Gewebespende ein Auto anschaffen. Außerdem sponserten die Lions einige Geräte für die Hornhautpräparation und ermöglichten zusätzliche Fortbildungen. Dadurch konnten wir die Anzahl der Spenderhornhäute steigern und uns z. T. auch selbst versorgen. Doch in der Uniklinik haben wir einfach zu viele Notfälle, die innerhalb weniger Stunden oder Tage mit einer Hornhaut versorgt werden müssen. Diese Notfälle konnten wir kaum selbst bedienen.

Wer arbeitet heute mit dir in der Hornhautbank zusammen?

Es gab damals nur eine technische Assistentin. Das war Brigitte Erber, unsere Ursprungsmitarbeiterin, die glücklicherweise auch heute noch bei uns ist. Jahrelang arbeitete sie mit Prof. Kruse in der Hornhautspende und -bank zusammen, bis er 2003/2004 die Klinik verlassen hatte. Aktuell ist Prof. Gerd U. Auffahrt Klinikdirektor und führt die meisten Hornhauttransplantationen durch. Pro Jahr sind das meist um die 100 Transplantationen – Tendenz steigend.

Was hat euch dazu bewegt, Teil unseres Gewebenetzwerks zu werden?

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Dr. Merz bei einer Augenhornhautpräparation

Unsere Hauptaufgabe ist selbstverständlich die Hornhautprozessierung. In meiner Funktion als wissenschaftlicher Leiter sowohl der Hornhautbank als auch des Labors kommen noch die Forschung und das Qualitätsmanagement hinzu. Darum ist schon die personelle Unterstützung in der Spende durch die neue DGFG-Koordinatorin Anna Rausch ein ganz großer Zugewinn. Die DGFG klärt mit einem Team von mehreren Ärzten jeden einzelnen Fall ab und überwacht, kontrolliert und verantwortet den gesamten Spendeprozess. Ich bin begeistert von dem Netzwerk. Die DGFG liefert personelle Unterstützung und Informationen zu sämtlichen Belangen. So hat uns das QM z. B sehr bei den Anträgen für die Änderungen der Genehmigungen geholfen. Das Netzwerk verfügt über enormes Wissen und Erfahrung und bietet eine hervorragende Plattform für einen Austausch auch mit den anderen Gewebebanken. Ich konnte mir auch schon bei anderen Hornhautbanken deren Präparationstechniken anschauen und dadurch Methoden für uns selbst weiterentwickeln. Im Herbst sind meine Kolleginnen Frau Erber und Frau Vöhringer und auch ich bei den Schulungen der Gewebebanken in Hannover dabei. Und das Gute ist ja: Wenn wir Spenden in unserer Bank aus Kapazitätsgründen nicht aufbereiten können, dann disponiert die Vermittlungsstelle der DGFG diese Spenden einfach in eine andere Hornhautbank im Netzwerk, sodass sie auf jeden Fall nicht verloren geht.

Was wünschst du dir für die Zukunft?

Dass alles weiterhin so gut läuft wie bisher. Wir arbeiten daran, die Gewebespende weiter auszubauen, indem wir weitere Kliniken für die Spende gewinnen wollen. Mit mehr Spenden können wir wiederum mehr Patienten mit einer Augenhornhaut versorgen und ihnen ein Stück Lebensqualität zurückgeben.

Wie bist du zur Uniklinik gekommen?

Ich bin eigentlich Diplomingenieur mit Fachrichtung Biotechnologie und habe aber schon während des Studiums in Kliniken und dabei in den verschiedensten Abteilungen und Forschungsprojekten mit Mensch, Tier, Pflanze und Zelle gearbeitet. Danach habe ich meine Diplomarbeit am Krebsforschungszentrum hier in Heidelberg geschrieben. Für meine Promotion ging ich an das Botanische Institut. Mir war es wichtig, keine Tierversuche durchführen zu müssen. Für Biologen sind Mensch, Tier oder Pflanze auf molekularer Ebene sehr ähnlich. Ich war dann für drei Jahre in Neustadt an der Weinstraße und habe dort ein Labor aufgebaut und etabliert. Das hat mir sehr viel Spaß gemacht. Als das dann fertig war, habe ich 2015 die Stelle im Forschungslabor in der Augenklinik gefunden. Dort werden u. a. Studien mit Augenlinsen durchgeführt. Im Juli 2017 wurde ich dann QM-Beauftragter und wissenschaftlicher Leiter der Lions Hornhautbank. Prof. Auffahrt hatte mich damals gefragt, ob ich neben dem Forschungslabor auch die Hornhautbank mit betreuen wollte. Bis Anna bei uns anfing habe ich zusätzlich noch die Gewebespenden realisiert.

Was treibt dich in deiner Arbeit an?

Generell der Umgang mit Patienten: Wurde ein passendes Transplantat gefunden, rufen wir die Patienten an und legen einen OP-Termin fest. Sie sind dann ganz begeistert und freuen sich, weil sie schon bald wieder (besser) sehen können. Ich bin selbst auch oft bei Operationen dabei und assistiere bei der Präparation – und kann sehen, wie einfach doch eigentlich fast blinden Menschen geholfen werden kann. Das ist schon faszinierend.