Nachgefragt: Steffi Mahnhardt im Porträt

Dr. Steffi Mahnhardt ist Koordinatorin der DGFG in der Region Nord-Ost – in Greifswald, Mecklenburg-Vorpommern. Sie organisisiert die Gewebespende in MV und ist letztlich diejenige, die die entnommen Gewebe, z.B. Augenspenden, an die Hornhautbank übergibt. Bevor bei einem Verstorbenen überhaupt eine Gewebeentnahme erfolgen kann, müssen die Koordinatoren wichtige Gespräche führen. Dr. Steffi Mahnhardt berichtet hier im Interview über ihre tägliche Arbeit. Stets steht das Zwischenmenschliche, das Persönliche, gerade in Bezug auf das Angehörigengespräch, im Vordergrund . Wichtig ist auch die Beziehung zu den Ärzten und Krankenhäusern. Gewebespende ist ein sensibles Thema, das vom direkten Kontakt lebt.

Steffi, wie sieht dein Alltag in der DGFG aus?

Steffi Mahnhardt koordiniert die Gewebespende in mehreren Krankenhäusern im nord-östlichen Mecklenburg-Vorpommern.

Steffi Mahnhardt koordiniert die Gewebespende in mehreren Krankenhäusern im nord-östlichen Mecklenburg-Vorpommern.

Ich komme morgens in mein Büro und sehe nach den Verstorbenenmeldungen aus MV, die bei mir eingegangen sind. Ich sortiere die Meldungen dann nach ihrer Wichtigkeit und fange mit der Bearbeitung derer an, bei der die zeitliche Frist als erstes endet. Dazu rufe ich die einzelnen Stationen an und frage die Ärzte, woran derjenige gestorben ist und welche Vorerkrankungen vorlagen. Schließlich erkundige ich mich nach der Telefonnummer der Angehörigen. Liegen keine Ausschlussgründe vor, folgt ein Anruf bei den Angehörigen mit der Information über die Möglichkeit einer Gewebespende. Vorher spreche ich jeden Fall einzeln  mit der Regionalleitung ab. Im Falle einer Zustimmung und nachdem der zuständige ärztliche Regionalleiter ebenfalls mit den Angehörigen gesprochen hat, warte ich auf die Entnahmefreigabe meines Regionalleiters und fahre (oder gehe) los. Zeitgleich bespreche ich mit der zuständigen Station im Krankenhaus, dass ich zur Akteneinsicht komme. Nachdem ich die Patientenakte eingesehen und Blutrückstellproben im Labor abgeholt habe, entnehme ich dann die Gewebespende beim Verstorbenen. Bei einer Hornhautspende entnehmen wir immer die Augen und ersetzen sie durch Glasprothesen in der Augenfarbe des Verstorbenen. Hier in Greifswald bringe ich die Hornhautspende in die Hornhautbank am Universitätsklinikum und bearbeite dann die Spenderakte im System. Ich betreue hier in Mecklenburg-Vorpommern die Kliniken in Greifswald, Stralsund, Demmin, Wolgast und auf Rügen.

Seit wann arbeitest du in der DGFG?

Seit August 2015. Ich bin jetz ein Jahr hier, es kommt mir aber schon länger vor (lacht).

Wie bist du zur DGFG gekommen?

Während ich meinen Doktor am Leibniz-Institut in Dummerstorf bei Rostock fertig gemacht habe, habe ich schon nach geeigneten Jobs geschaut. Ich wollte gerne etwas in Greifwald finden, da wir wegen meines Mannes und seiner Stelle in die Hansestadt gezogen sind. Schließlich habe ich auch einen Sohn und Familie und bin daher nicht ganz so flexibel. Und dann habe ich die freie Stelle als Koordinatorin bei der DGFG gesehen und mich beworben, weil das gut zu mir passte.

Was treibt dich in deiner Arbeit an?

Es sind die Empfänger, die mich antreiben, und dass sie dann letztendlich wieder sehen können. Ich darf demnächst in der Augenklinik hier in Greifswald bei einer Transplantation zuschauen. In der Hornhautbank Greifswald, eine von drei DGFG-Gewebebanken in MV, war ich bei einer Präparation bereits dabei. Mein Opa kann auch schlecht sehen und gerade für die Älteren ist es so wichtig, dass sie ihre Selbstständigkeit behalten.

Was macht den Standort Greifswald für dich lebenswert?

Greifswald ist schön, weil es so klein und überschaubar ist. Man kann alles gut mit dem Fahrrad erreichen. Gleichzeitig sind hier ganz viele junge Leute wegen der Universität. Die Uniklinik ist riesig, alles ist neu und auf dem neusten Stand. Die Leute dort, gerade auch in der Pathologie, sind sehr nett. Auch ist die Ostsee in der Nähe und so kann man nachmittags einfach sein Kind schnappen und an den Strand fahren. Da könnte ich nicht drauf verzichten.

Welcher Beschäftigung gehst du außerhalb der DGFG in deiner Freizeit am liebsten nach?

Ich habe einen Garten. Mein Sohn ist vier Jahre alt und dann gärtnern wir zusammen. Wir sind außerdem viel am Strand, ich mache noch Yoga zur Entspannung und häkle viel, zum Beispiel für die Kinder meiner Freundinnen.

Mit welchen Worten würdest du einem Kind die DGFG beschreiben?

Dass wir ein gemeinnütziges Unternehmen sind und es uns darum geht, dass Leute (hauptsächlich) wieder sehen können. Wenn jemand gestorben ist, kann er noch etwas Gutes tun. Wir können dann mit einer Gewebespende Leuten helfen, wieder zu sehen oder bei Knochen- oder Sehnenspenden wieder zu gehen und zu funktionieren.

Wir bedanken uns für das Gespräch, das wir im Sommer 2016 geführt haben.