Wenn sich der Schleier vor dem Fenster zur Welt hebt

Jürgen Baldowski erzählt von seinen Erfahrungen als Augenhornhautempfänger.

Augenhornhautempfänger Jürgen Baldowski sieht die Welt wieder farb- und facettenreich.

Augenhornhautempfänger Jürgen Baldowski sieht die Welt wieder farb- und facettenreich.

„Vor etwa fünf Jahren fing es bei mir an, dass mein Sehvermögen allmählich schlechter wurde. Damals war ich 66 Jahre alt. Die Diagnose: Grauer Star. Die Erkrankung hatte zur Folge, dass sich eine Art Schleier vor mein linkes Auge zog, der erst gegen Abend langsam verschwand. In der Augenklinik in Lübeck wurde ich kurze Zeit später operiert und bekam anschließend eine spezielle Linse. Mein linkes Auge war versorgt. Die Sehfähigkeit wurde schnell besser. Mein Augenarzt wies mich darauf hin, dass auch mein rechtes Auge getrübt ist und ich das Auge beobachten soll. Anfang 2015 wurde diese Trübung schlimmer. Ein dichter Schleier zog diesmal vor mein rechtes Auge. Fernsehen und Lesen waren nicht mehr möglich. Ich wurde an Prof. Böhnke von der Augenklinik am Rothenbaum in Hamburg weitergeleitet. Nach mehreren Untersuchungen kam ich schließlich auf die Warteliste für eine Hornhauttransplantation. An meinem Geburtstag im September 2016 war es dann soweit: Nach fünf Monaten erhielt ich mein Hornhauttransplantat, selbstlos von einem Verstorbenen gespendet. Nach einer Stunde war die Operation beendet. Ich spürte keinerlei Schmerzen. Vier Nachuntersuchungen ergaben keinerlei negative Ansätze. Alles ist bestens verheilt. Mein Körper hat die Spenderhornhaut angenommen. Ich habe heute meine Sehfähigkeit zurück.

Zwischen mir und meiner Umgebung ist nun kein dichter Schleier mehr. Meine Lebensqualität hat sich verbessert. Die Hornhauttransplantation war für mich wie ein Segen – und ist es noch heute.

Ich bin dem Spender und Prof. Böhnke sehr dankbar. Alle vier Monate gehe ich nun zur Kontrolle – mit klarem Durchblick. Nun wurde auf meinem linken Auge der Schleier allmählich wieder stärker. Anfang Juli 2017 bekam ich auch auf meinem linken Auge eine Hornhaut transplantiert. Und das war erneut nur möglich, weil sich ein Mensch bereits zu Lebzeiten für die Spende seiner Gewebe entschieden hat. Eine selbstlose Entscheidung für den Spender – ein Segen für mich. Heute kann ich wieder Autofahren und habe meine Selbstständigkeit zurückerlangt. Ich kann wieder Fernsehen und Lesen. Mein größtes Hobby ist mein Garten: Den kann ich heute wieder in vollen Zügen genießen und in seiner vollen Pracht wahrnehmen. Wenn Farben, Konturen und Kontraste verblassen, ist das nicht möglich.“