Gelenk-Transplantatempfänger Justin Peine und Jessica Alvarez-Korzinovski erzählen von ihren Erfahrungen

Justin Peine nach Knorpel- und Knochentransplantation wieder auf dem Fußballfeld

Justin Peine heute wieder auf dem Fußballfeld

Justin Peine hat die Schule beendet und macht eine Ausbildung zum Mechatroniker bei Volkswagen in Wolfsburg. Der damals 19-Jährige möchte am Wochenende die Freizeit verbringen. Da geschieht der Unfall: „Meine Freunde und ich wollten zum See und sind abseits des Weges gegangen. Durch das hohe Gras haben wir die vielen Baugräben nicht gesehen. Ich bin in einen solchen gestürzt. Das nächste, woran ich mich erinnern kann, war, dass mein Fuß in eine andere Richtung gezeigt hatte. Dann ist mir auch schon schwarz vor Augen geworden.“, erinnert sich Justin.

Während das Leben für seine Freunde weitergeht, bleibt für Justin die Welt erst einmal stehen. Denn sein Sprunggelenk ist zertrümmert und wird in einer Not-OP versorgt. Dann tritt Arthrose auf und eine Steiflegung des Fußes wird diskutiert. Für einen so jungen Menschen eine unvorstellbare Lösung!

Justin Peine fühlt sich heute wieder wie ein ganz normaler Mensch dank der Transplantation

Justin Peine fühlt sich heute wieder wie ein ganz normaler Mensch – dank der Transplantation

In dieser Situation stimmt Justin einem experimentellen Heilversuch an der Medizinischen Hochschule in Hannover zu. Prof. Krettek und sein Team der Unfallchirurgie entwickelten ein ganz besonderes Transplantationsverfahren: „Patienten mit einem schweren Gelenkverschleiß, bei denen kaum oder gar kein intakter, eigener Knorpel mehr vorhanden ist, wird der Gelenkknorpel mit einer dünnen Knochenschicht eines Gewebespenders verpflanzt. Über eine besondere Form der Kultivierung werden die Knorpelzellen des Gewebespenders nach der Entnahme bis zur Transplantation am Leben gehalten. Insbesondere junge Patienten werden vor einem frühzeitigen künstlichen Gelenkersatz bewahrt“, erläutert Prof. Krettek im ausführlichen Erklärfilm zur Knochen- und Knorpelspende der Deutschen Gesellschaft für Gewebetransplantation (DGFG).

Therapiegrundsatz: Wer rastet, der rostet

Nach der Operation gibt es für Justin keine Pause, denn Bewegung ist das A und O im Heilungsprozess. Unablässliches Training im Krankenhausbett und später im Rollstuhl mit Hilfe einer speziellen Bewegungsschiene führen schließlich zum Erfolg. Justins Transplantat wurde gut angenommen und ist inzwischen auch von eigenen Körperzellen besiedelt. Heute geht Justin schmerzfrei durchs Leben und steht sogar wieder auf dem Fußballfeld: „Jetzt, nach drei Jahren wieder einmal gegen den Ball zu treten, das ist ein Gefühl, das ist einfach unbeschreiblich für mich. Ich kann wieder Sport treiben, laufen, Berg auf, Berg ab, ich kann wieder arbeiten gehen, eigentlich wie ein ganz normaler Mensch. Als wäre nichts gewesen.“

Nicht nur sportlich kann Justin wieder durchstarten. Bei Volkswagen darf er nach einer Umschulung nun eine Ausbildung als Lackierer beginnen.

Starker Gelenkverschleiß: Ein langer Weg bis zu einem schmerzfreien Leben

„Während einer Urlaubsreise bin ich kurz vor Adelaide mit einem anderen Auto frontal zusammengestoßen. Mein rechter Fuß wurde völlig zertrümmert. Im Zuge der Rekonstruktion mussten die Ärzte mein unteres Sprunggelenk versteifen.“, erinnert sich Jessica Alvarez-Korzinovski an den Unfall 1998 in Australien, der für lange Zeit ihr Leben und Wohlbefinden bestimmen sollte.

Prof. Dr. Krettek mit Patientin Jessica Alvarez

Prof. Dr. Krettek und Jessica Alvarez-Korzinovski

Nach ersten Operationen war Jessicas Bein drei Zentimeter verkürzt – eine weitere Einschränkung für die junge Frau nach dem schweren Unfall. Schon damals lernte sie Prof. Krettek kennen, der ihr im Jahr 2002 einen knochendicken Titannagel – genannt Intramedullary Skeletal Kinetic Distractor (ISKD) – implantierte. Trotz versteiftem Sprunggelenk kann Jessica so zunächst wieder ihrem Job als Diplompsychologin im Bereich Management, Beratung und Coaching nachgehen. 2014 zieht es sie mit ihrem Mann und den fünf Kindern nach China.

Jessica Alvarez' Leidensgeschichte ist nach einer Knorpeltransplantation beendet

Jessicas Leidensweg ist nach einer Knochen- und Knorpeltransplantation beendet

Doch 2015  beginnt eine Schmerzodyssee im rechten, oberen Sprunggelenk. Der Unfall von damals holt sie wieder ein.

Für die Mutter von fünf Kindern wurde jeder Schritt zur Qual. Erschöpfung und Frustration zeichneten ihren Alltag und den ihrer Familie: „Ich war nicht einmal mehr in der Lage, mit meinen Zwillingen auf den Spielplatz zu gehen.“

Mit Hilfe der Transplantation eines Spendergelenks und dem innovativen Verfahren von Prof. Krettek gesundet Jessica. Voller Dankbarkeit genießt sie es heute, mit ihren Kindern auf den Spielplatz zu gehen und ihrem Hobby – dem Schwimmen – wieder nachgehen zu können: „Diese Möglichkeit der Gewebespende und -transplantation war sehr wichtig für mein Leben. Ich denke da jeden Tag dran und bin unheimlich dankbar dafür.“

Gemeinsam mehr bewegen

Die DGFG freut sich über diese wortwörtlich bewegenden Erfolgsgeschichten der Gewebespende und -transplantation und unterstützt das Projekt von Prof. Krettek bereits im dritten Jahr, in dem sie die Gewebespenden organisiert. Noch immer sind die Möglichkeiten der Gewebespende, wie der Knochen- und Knorpelspende, nur wenigen Menschen bekannt und es herrscht in vielen Bereichen ein Mangel an passenden Transplantaten. Die DGFG verfolgt das Ziel, in gemeinnütziger Netzwerkarbeit diesen Mangel zu beseitigen. Wer die Aufklärungsarbeit der DGFG zur Knochen- und Knorpelspende unterstützen möchte, kann ganz einfach spenden über das Online-Spendenformular der Bank für Sozialwirtschaft oder über:

IBAN: DE86 2512 0510 0001 5630 15
BIC: BFSWDE33HAN
Bank für Sozialwirtschaft