Die DGFG übernimmt die Organisation der Gewebespende im Klinikum.

August 2018 – Gewebespende-Koordinatorin Anna Rausch ist neu im DGFG Netzwerk. Ebenfalls neu: Der Standort Heidelberg. Im Interview erzählt Anna Rausch von sich, ihren ganz persönlichen Herausforderungen und ersten Erfahrungen in der Gewebespende.

Welche Erfahrungen konntest du bei deiner Einarbeitung sammeln?

Am 15. April bin ich bei der DGFG gestartet und war gleich am ersten Tag zur allgemeinen Basis-Schulung in Hannover. Dann startete meine Einarbeitungszeit: Die ersten zwei Wochen war ich bei Stefanie Eberhardt in Würzburg. In der dritten Woche war ich dann in Stuttgart bei Nea Dierolf. Insgesamt konnte ich bei vielen Augenhornhautspenden dabei sein. Die Zeit war super vielseitig. Ich habe zwei Angehörigengespräche geführt und war in Stuttgart sogar bei zwei Entnahmen bei Bestattungsinstituten dabei. Mittlerweile konnte ich außerdem bei zwei Organspenden Erfahrung sammeln.

Was macht für dich dein Standort Heidelberg so lebenswert?

Das Wochenende vor meinem Start im Uniklinikum Heidelberg bin ich hierher umgezogen. Ich fühle mich in Heidelberg sehr wohl. Die Stadt ist wirklich wunderschön und gemütlich, besonders die historische Altstadt, die zum Bummeln und Verweilen mit Blick auf das Schloss einlädt. Es gibt hier auch eine ganz große Wiese am Neckar, auf der man abends sehr schön sitzen kann.

Wie bist du auf die Stelle bei der DGFG gestoßen?

Ich habe in Frankfurt Biowissenschaften studiert und dort meinen Bachelor am Institut für Bienenkunde gemacht. Danach ging ich für meinen Master in Biologie nach Mainz. Meine Masterarbeit habe ich in der Neurobiologie absolviert. Dort habe ich an der Fruchtfliege geforscht. Danach habe ich geschaut, welche Möglichkeiten es für Biologen gibt. Ich habe für einige Monate bei der Zoologischen Gesellschaft in Frankfurt gearbeitet. Auf die DGFG bin ich ganz klassisch über die Stellenausschreibung aufmerksam geworden, die ich sehr außergewöhnlich fand. Ich hatte von einer solchen Tätigkeit auch noch nicht gehört.

Hast du denn von der Gewebespende vorher schon einmal gehört?

Unter Gewebespende konnte ich mir erst gar nichts vorstellen. Organspende kennt jeder, aber dass und welche Gewebe man spenden kann, war mir nicht bewusst. Ich habe mir dann auf der Website der DGFG das Tätigkeitsfeld einer Koordinatorin und den allgemeinen Tagesablauf durchgelesen. Ich fand das auf Anhieb sehr vielseitig und interessant und konnte mir diesen Beruf sehr gut für mich vorstellen.

Wie sieht dein Alltag in Heidelberg aus?

Heidelberg_Rausch_Spendermeldung

Auch Büroarbeit: Die Arbeit als Gewebespendekoordinatorin

Morgens erhalte ich die Verstorbenenmeldungen aus der Pathologie per Fax. Dann prüfe ich die Meldungen dahingehend, ob sich der Verstorbene für eine Spende eignet und ob auch eine valide Blutprobe vorhanden ist. Über das interne Krankenhaussystem erfahre ich dann mehr über die Vorerkrankungen und Diagnosen. Letzte Fragen kläre ich mit Einblick in die Patientenakte auf der jeweiligen Station und in einem Gespräch mit den zuletzt behandelnden Ärzten. Spricht aus medizinischer Sicht nichts gegen eine Gewebespende, kontaktiere ich die Angehörigen und kläre sie über die Möglichkeit der Gewebespende auf. Im Falle einer Einwilligung fahre ich mit dem Auto der Lions Hornhautbank zur Pathologie und führe dort die Entnahme durch. In meiner zweiten Woche konnte ich hier meine erste Augenhornhautspende durchführen.

Wie läuft die Zusammenarbeit mit dem Uniklinikum?

Ich hatte hier in Heidelberg einen großen Vorteil. Die Augenhornhautspende war bereits etabliert, die Grundstrukturen waren da. Ich konnte das System der Spende von den Mitarbeitern der Hornhautbank einfach übernehmen.

Was ist für dich bisher die größte Herausforderung in deinem Job?

Ich dachte, dass mir die Entnahme unter all den Tätigkeiten als Koordinatorin her am schwersten fallen würde. Doch das war gar nicht der Fall. Was jetzt eher, gerade so am Anfang, die größte Herausforderung ist, ist die ganze Vorarbeit, also die Prüfung der Spendereignung. Bei manchen medizinischen Ausdrücken denkt man direkt an eine schwere Erkrankung und dann stellt sich am Ende heraus, dass es sich einfach nur um den Ausdruck für Nasenbluten handelte.

Was treibt dich in deiner Arbeit an?

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Dreamteam: DGFG-Gewebespendekoordinatorin und die Lions Hornhautbank in Heidelberg arbeiten Hand in Hand

Ich finde es sehr schön, wenn man von Angehörigen eine positive Rückmeldung bekommt und merkt, dass es ihnen wichtig ist, noch etwas Gutes zu tun und ihnen die Gewebespende in der Verarbeitung ihres Verlusts hilft. Ich durfte vor kurzem bei einer Hornhauttransplantation im OP mit dabei sein und konnte sehen, wie man Menschen, die fast blind sind, so einfach helfen und vor der Blindheit bewahren kann.

Was sagt dein Umfeld zu deiner neuen Tätigkeit?

Ich glaube, meine Familie hat mir das am Anfang gar nicht so ganz zugetraut. Ich glaube aber, dass sie stolz auf mich sind, dass ich solch eine Tätigkeit, die am Ende anderen Menschen hilft, ausübe. Viele von meinen Freunden waren fasziniert, dass es so einen Job überhaupt gibt.

Was wünschst du dir für die Zukunft?

Was ich so gemerkt habe, ist, dass ganz viele Absagen dadurch zu Stande kommen, dass in der Familie nicht richtig kommuniziert wurde. Selbst wenn man einen Organspendeausweis besitzt, weiß die Familie in den seltensten Fällen darüber Bescheid. Wenn es dann zu dem Fall kommen sollte, dass ihnen die Frage zur Gewebespende gestellt wird, dann sind die Angehörigen unsicher und entscheiden oft dagegen. Sie möchten nichts falsch machen. Ich denke, das ist ein ganz wichtiges Thema, dass jeder in der Familie besprechen sollte. Viele denken, sie kommen für eine Spende sowieso nicht in Frage. Viele wissen gar nicht, dass die Gewebespende auch bei normalem Herz-Kreislauf-Tod möglich ist. In meinem Verwandten- und Bekanntenkreis kommt das Thema jetzt häufiger auf. Ich fände es einfach schön, wenn die Gewebespende auch in der Gesellschaft mehr ankommen würde.

Welcher Beschäftigung gehst du in deiner Freizeit am liebsten nach?

Ich singe in meiner Freizeit sehr gerne. Ich war drei Jahre lang im Schulchor. Mein Papa hat 30 Jahre in einer Band gesungen, mir wurde das Talent wohl in die Wiege gelegt. Ich hatte damals zum Geburtstag ein paar Gesangsstunden geschenkt bekommen. Daraus wurden dann drei Jahre Gesangsunterricht. In diesem Jahr darf ich auch auf der Hochzeit einer sehr guten Freundin singen.